Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim steigen in Bremen weiter deutlich an. Nach einer aktuellen Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) müssen neu aufgenommene Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner im kleinsten Bundesland durchschnittlich 3.761 Euro pro Monat aus eigener Tasche zahlen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von rund neun Prozent. Damit bleibt Bremen bundesweiter Spitzenreiter bei der finanziellen Eigenbeteiligung in der stationären Pflege. Der Bundesdurchschnitt liegt aktuell bei 3.364 Euro.
Die Eigenbeteiligung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Den größten Anteil macht der pflegebedingte Eigenanteil (EEE) aus, der vor allem die Kosten für Pflegepersonal und Ausbildung umfasst. Im ersten Aufenthaltsjahr liegt er bei durchschnittlich 1.952 Euro monatlich. Hinzu kommen Investitionskosten von 630 Euro sowie Kosten für Unterkunft und Verpflegung in Höhe von 1.179 Euro.
Besonders stark gestiegen ist der pflegebedingte Eigenanteil. Er erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um mehr als 13 Prozent. Aber auch die Investitionskosten sowie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung legten jeweils um rund vier Prozent zu.
Seit 2022 beteiligt sich die Pflegeversicherung mit einem nach Aufenthaltsdauer gestaffelten Zuschuss am pflegebedingten Eigenanteil. Dadurch sinkt die Eigenbeteiligung mit zunehmender Dauer des Heimaufenthalts. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass die Zuschüsse die steigenden Kosten bislang nicht auffangen können.
Gute Pflege muss solidarisch finanziert werden
Die Ursachen für die Entwicklung liegen aus Sicht des vdek sowohl in allgemeinen Kostensteigerungen als auch in landesspezifischen Faktoren. Dazu gehören insbesondere die hohe Tarifbindung in der Pflege sowie eine vergleichsweise gute Personalausstattung in Bremen.
„Wer bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege, mehr Personal und klimafeste Einrichtungen fordert, muss auch sagen, wie das finanziert werden soll. Es ist weder gerecht noch nachhaltig, diese Kosten immer weiter auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeheime zu verlagern“, sagt Torsten Barenborg, Leiter der vdek-Landesvertretung Bremen.
Hinzu kommen strukturelle Besonderheiten, wie z. B. viele kleine Einrichtungen und hohe städtische Immobilienkosten im Vergleich zu ländlich geprägten Regionen. Die Folge: Immer mehr Pflegebedürftige geraten durch den Heimaufenthalt an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten und sind auf Unterstützung durch die Sozialhilfe angewiesen.
Länder müssen Investitionen in klimaresiliente Pflegeheime ermöglichen
Der vdek fordert Bund und Länder auf, endlich wirksame Maßnahmen zur Entlastung der Pflegebedürftigen auf den Weg zu bringen. Insbesondere bei den Investitionskosten sieht der Verband die Länder in der Verantwortung.
„Die Pflegeeinrichtungen stehen vor großen Herausforderungen. Angesichts häufiger und längerer Hitzewellen müssen Gebäude modernisiert, verschattet und energetisch saniert werden. Bewohnerinnen und Bewohner brauchen angenehme Raumtemperaturen und wirksamen Schutz vor Hitzebelastungen. Wenn notwendige Investitionen aber überwiegend über die Pflegebedürftigen finanziert werden sollen, bleiben viele Maßnahmen auf der Strecke. Klimaanpassung in Pflegeheimen ist eine gesellschaftliche Aufgabe und darf nicht über immer höhere Eigenanteile bezahlt werden“, so Barenborg.
Allein die Übernahme der Investitionskosten und der Ausbildungskosten durch die öffentliche Hand würde Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner in Bremen um durchschnittlich rund 780 Euro pro Monat entlasten.
Nachhaltige Finanzreform bleibt überfällig
Der Verband der Ersatzkassen sieht darüber hinaus den Bund in der Pflicht, die Pflegeversicherung von versicherungsfremden Leistungen zu entlasten. Dazu gehört insbesondere die Finanzierung der Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige aus Steuermitteln. Zudem sollten die pandemiebedingten Sonderausgaben, die die Pflegeversicherung übernommen hat, vollständig erstattet werden.
„Die steigenden Eigenanteile zeigen, dass die Pflegeversicherung in ihrer heutigen Form an Grenzen stößt. Notwendig ist eine nachhaltige Finanzreform, die Pflegebedürftigen mehr Planungssicherheit gibt und verhindert, dass ein Pflegeheimaufenthalt zum Armutsrisiko wird“, fordert Barenborg.
Hintergrund
Die durchschnittliche Eigenbeteiligung für Pflegeheimbewohnerinnen und Pflegeheimbewohner im ersten Aufenthaltsjahr beträgt in Bremen aktuell 3.761 Euro monatlich. Sie setzt sich zusammen aus:
- Pflegebedingter Eigenanteil (EEE): 1.952 Euro
- Investitionskosten: 630 Euro
- Unterkunft und Verpflegung: 1.179 Euro
Die tatsächlichen Kosten können je nach Einrichtung variieren. Eine Übersicht der Kosten einzelner Einrichtungen bietet der vdek-Pflegelotse. Zudem stehen auf der vdek-Internetseite FAQ zur finanziellen Eigenbeteiligung in der stationären Pflege zur Verfügung.
Finanzielle Belastung von Bremer Pflegebedürftigen (EEE, Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten) mit Berücksichtigung der Ausbildungskosten je Monat, 1. Juli 2026
Finanzielle Belastung von Bremer Pflegebedürftigen (EEE, Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten) unter Betrachtung der Aufenthaltsdauer im Pflegeheim mit Berücksichtigung der Ausbildungskosten je Monat, 1. Juli 2025 und 1. Juli 2026
Kontakt
Christiane Rings
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Bremen
Tel.: 04 21 / 1 65 65 - 76
E-Mail: christiane.rings@vdek.com
und
Birgit Tillmann
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Bremen
Tel.: 04 21 / 1 65 65 - 84
E-Mail: birgit.tillmann@vdek.com