Prüfkriterien gewichten

Bei Verdacht auf gefährliche Pflege muss sofort gehandelt werden

Lesehilfe für Transparenzberichte von Pflegeheimen im Internet kann weiterhelfen

Die Pflege in Baden-Württemberg schneidet im bundesweiten Vergleich am besten ab. Sowohl bei der stationären Pflege (Gesamtnote 1,2) als auch im ambulanten Bereich (Gesamtnote 1,3) belegt Baden-Württemberg nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen in Baden-Württemberg einen Spitzenplatz. Dies liegt auch daran, weil im ambulanten Bereich im Vergleich zu anderen Bundesländern die Pflege bereits seit vielen Jahren im Land einer regelmäßigen Prüfung durch den MDK unterzogen wird. Erst seit 2011 ist hier die Prüfung gesetzlich vorgeschrieben. Aber es gibt auch vereinzelt schwarze Schafe.

„Pflegebedürftige und Angehörige können in aller Regel auf gute Pflegequalität vertrauen. In einigen wenigen stationären Pflegeeinrichtungen hatte sich allerdings der Verdacht auf gefährliche Pflege erneut bestätigt. Hier sind dann umgehend die Qualitätsprüfer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) gefragt“, so Walter Scheller, Leiter der vdek-Landesvertretung Baden-Württemberg.

Beispiele für gefährliche Pflege können sein, dass bei einem Bewohner Anzeichen für eine ungenügende oder nicht ausreichende Flüssigkeitsaufnahme vorliegen oder ein Bewohner erheblich an Gewicht verloren hat. Gefährliche Pflege kann auch dann gegeben sein, wenn der Bewohner sehr unsicher geht und er bereits mehrfach gestürzt ist, das Sturzrisiko des Bewohners jedoch nicht erhoben wurde. Ein weiteres Beispiel für gefährliche Pflege kann ein Dekubitus sein, wenn der Bewohner seine Lage im Rollstuhl und im Bett nicht selbständig verändern kann oder wenn Schmerzen vorliegen und diese beim Bewohner nicht systematisch erfasst wurden. Auch die rechtswidrige Einschränkung der Bewegungsfreiheit, zum Beispiel bei Fixierung des Bewohners, obgleich es nicht notwendig ist oder zur Abwehr der Gefahren nicht geeignet ist, fällt unter „gefährliche Pflege“.

„Der vom Verband der Ersatzkassen vor nunmehr fast zwei Jahren im Einsatz befindliche vdek-Pflegelotse kommt bei der Suche nach einem Pflegeheim in der Öffentlichkeit sehr gut an. Dies zeigen uns Millionen von Klicks auf unsere Internetseite (www.pflegelotse.de) . Der vdek-Pflegelotse und die Pflegenoten sind aus unserer Sicht ein riesiger Fortschritt für die Pflegebedürftigen und deren Angehörige; sie haben für mehr Transparenz im Pflegemarkt gesorgt und den Wettbewerb zwischen den Pflegeeinrichtungen gefördert. Dieser Wettbewerb wirkt sich auch positiv auf Qualität und Service der Einrichtungen aus und kommt den Versicherten zu Gute“, so Walter Scheller weiter.

„Seit Juli 2010 gibt es eine vom Gesundheitsforum Baden-Württemberg  und der AG Qualitätssicherung gemeinsam entwickelte Lesehilfe für denjenigen, der auf der Suche nach einem für ihn besten Pflegeheim ist. Damit haben wir einen weiteren Akzent gesetzt“, ist Walter Scheller überzeugt.

Die Lesehilfe kann unter

www.gesundheitsform-bw.de-qualitaetsberichte-transparenzberichtederpflegeheime 

oder unter www.vdek.com – Landesvertretung Baden-Württemberg  abgerufen werden.

„Mit den Pflegenoten ist eine gute Basis gelegt worden. Nun muss es aber darum gehen, das Bewertungssystem mit seinen Schulnoten von 1 bis 5 schnell und konsequent weiterzuentwickeln und zu verbessern. Beispielsweise muss es zu einer deutlicheren Gewichtung einzelner, sehr bedeutsamer Qualitätskriterien, wie zum Beispiel der Wundversorgung, kommen“, fordert Walter Scheller.

Die Festlegung von Risikokriterien ist eine zentrale Forderung des Verbands der Ersatzkassen. Die Kriterien müssen sich dann auch in der Gesamtnote niederschlagen. In den Einrichtungen wird insgesamt in der Regel eine gute Pflege geleistet. Allerdings darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass es auch in Einzelbereichen noch deutliche Defizite geben kann. Der Verband der Ersatzkassen rät den Pflegebedürftigen deshalb dringend, die Einzelnoten zu betrachten und nicht alleine die Gesamtnote zu sehen. Pflegenoten und vdek-Pflegelotse sind nur ein Baustein bei der Suche nach einer geeigneten Einrichtung. Die Lesehilfe bietet ein weiteres Angebot für den potentiellen Interessenten eines Pflegeheims. Sie ersetzt jedoch nicht den Besuch der Einrichtung und die Beratung durch die Pflegekassen.

 


Kontakt

Frank Winkler
Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
Landesvertretung Baden-Württemberg

Tel.: 07 11 / 2 39 54 - 19
E-Mail: frank.winkler@vdek.com