Hamburger Gesundheitstreff: Patientensteuerung - auf dem Weg zu neuen Strukturen
Grußwort von Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer vor mehr als 90 Gästen
Verabschiedung und Neubeginn: (v.l.n.r) Maren Puttfarcken, Vorsitzende des Landesausschusses der Hamburger Ersatzkassen, Kathrin Herbst, langjährige Leiterin der vdek-Landesvertretung, Ute Leonhardt, neue Leiterin der Landesvertretung, Ulrike Elsner, vdek-Vorstandsvorsitzende
Geplante Primärversorgung: Wie groß ist das Veränderungspotenzial für Hamburg?
Was muss getan werden, damit Patientinnen und Patienten passgenau dorthin gelangen, wo ihnen schnell und bedarfsgerecht geholfen wird? Wie können Notfall-, Akut- und Regelversorgung optimaler ineinandergreifen? Wo sollen die neuen Integrierten Notfallzentren bedarfsgerecht in der Stadt angesiedelt werden?
Darüber debattierten beim 14. Hamburger Gesundheitstreff der vdek-Landesvertretung Hamburg mehr als 90 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Gesundheitsversorgung und den Medien. Bei der Veranstaltung fand auch die Staffelstabübergabe in der Leitung der Landesvertretung statt: die langjährige Leiterin Kathrin Herbst wurde in den Ruhestand verabschiedet und die neue Leiterin Ute Leonhardt willkommen geheißen.
Senatorin bringt veränderte Praxis-Öffungszeiten ins Spiel
Die Hamburger Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer betonte, ein modernes Primärversorgungssystem ermögliche es Patientinnen und Patienten "zur richtigen Zeit am richtigen Ort" versorgt zu werden. Insgesamt würden damit die knappen Ressourcen besser eingesetzt. Zudem müsse der Aufbau der Primärversorgung mit der Weiterentwicklung der Notfallversorgung und der Einführung Integrierter Notfallzentren zusammen gedacht werden.
Die Senatorin nahm auch in den Blick, dass es für Patientinnen und Patienten unter der Woche bisweilen schwierig sein kann, einen Arzttermin zu erhalten. Sie stellte die Frage, ob es richtig sei, dass Arztpraxen nur von Montag bis Freitag geöffnet haben - oder ob es nicht vielmehr an der Zeit sei, dass Praxen von Mittwoch bis Sonntag öffneten, um ambulante Bedarfe abzudecken. Diese Ausführungen ergänzte sie aber unmittelbar mit dem Hinweis, dass sie wisse, dass dies eine Provokation sei und daher habe sie das nur einmal so dahingesagt.
Gesundheitsökonom Schreyögg: Großes Konsolidierungspotenzial in Hamburg
In seinem Impulsvortrag machte Prof. Dr. Jonas Schreyögg deutlich, dass es dringend mehr Steuerung brauche, damit die Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten spürbar zunehme und die Aufnahmequoten aus den Notaufnahmen in die stationäre Versorgung gesenkt werden könnten. Die geplante Primärversorgung und die Notfallreform müssten dabei unabdingbar ineinandergreifen. Geschaffen werden müsse ein verbindliches System ohne Parallelstrukturen. Der Wissenschaftler ist Vize-Vorsitzender des Sachverständigenrats Gesundheit und Pflege des Bundesgesundheitsministeriums und wissenschaftlicher Direktor des Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg.
Großes Konsolidierungspotenzial sah der renommierte Experte auch in Hamburg. In der Hansestadt gebe es aktuell 19 Krankenhäuser mit Zentralen Notaufnahmen (ZNA), so der Experte. Aus Sicht der Krankenkassen sei als bundesweite Anhaltszahl im Reformprozess ein Integriertes Notfallzentrum (INZ) auf rund 350.000 Einwohnerinnen und Einwohner als ausreichend anzusehen. Damit wären in Hamburg fünf bis sechs INZ einzurichten.
Im Anschluss an den Impuls diskutierten Prof. Dr. Schreyögg, Ulrike Elsner, vdek-Vorstandsvorsitzende, Dr. Claudia Brase, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft, und der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, John Afful unter anderem, ob die Primärversorgung als Wendepunkt anzusehen ist, welche Rolle künftig Krankenhäuser ohne INZ spielen sollen und ob Hamburg als Modellregion für die Primärversorgung geeignet ist.
Wechsel an der Spitze des vdek in Hamburg
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der Staffelstab in der Leitung der Landesvertretung Hamburg übergeben: Auf Kathrin Herbst, die mehr als 15 Jahre an der Spitze des versichertenstärksten Kassenverbands in der Hansestadt stand und sich in den Ruhestand verabschiedet, folgt Ute Leonhardt. Die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner dankte Kathrin Herbst für ihre erfolgreiche Arbeit: "Gemeinsam mit ihrem Team steht sie für eine moderne Gesundheitsversorgung und innovativen Gestaltungswillen. Dabei hat sie die Landesvertretung als verlässliche Ansprechpartnerin für Politik, Presse und Leistungserbringer weiter ausgebaut. Ich danke ihr für ihren außerordentlich engagierten Einsatz."
Der Nachfolgerin wünschte die vdek-Vorstandsvorsitzende viel Erfolg: "Mit Ute Leonhardt wird eine ausgewiesene Expertin in Versorgungsfragen mit langjährigen Erfahrungen auf Landes- und Bundesebene die Nachfolge antreten. Sie wird die erfolgreiche Arbeit der Landesvertretung Hamburg weiterführen."
Für die Ersatzkassengemeinschaft würdigte TK-Landesgeschäftsführerin Maren Puttfarcken die Verdienste von Kathrin Herbst und hieß ihre Nachfolgerin willkommen.