Krankenkassen bieten pro Arzt 6000 Euro mehr Einkommen im Jahr

Überzogene Forderungen der Hamburger Ärztefunktionäre lassen Verhandlungen platzen

Die Hamburger Krankenkassen haben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg bei den Honorarverhandlungen ein Plus von mehr als 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angeboten. Dieser Zuwachs entspricht dem Honorarkompromiss, der auf Bundesebene ausgehandelt wurde. Dieses Angebot hat die Vertreterversammlung der  KV Hamburg jedoch abgelehnt und dem Vorstand empfohlen, das Scheitern der Verhandlungen zu erklären.

Damit sagen die Ärztefunktionäre Nein zu:

  • insgesamt rund 25 Millionen Euro mehr Honorar als im Vorjahr. Das entspricht rein rechnerisch einer Summe von jährlich 6000 Euro mehr pro Arzt. Diese Summe kommt niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten ohne Abzüge zugute.
  • einer neuen Vergütungsstruktur für Psychotherapeuten, die auch die Fachärzte zusätzlich finanziell entlastet
  • einer Auszahlung der Honorarsteigerungen pünktlich zum 1. Quartal des kommenden Jahres

Die KV Hamburg hat dagegen gefordert, die Honorare um weit über 70 Millionen Euro zu erhöhen. Dies wären umgerechnet im Durchschnitt etwa 20 000 Euro jährlich mehr für jeden Arzt in Hamburg. Es handelt sich bei dieser überzogenen Forderung um Ansprüche an Gelder von Versicherten. Diese verdienen in ihrer großen Mehrheit deutlich weniger als der Durchschnitt der Hamburger Ärzte. Unter den Versicherten sind viele, die in ihren Berufen ebenfalls eine hohe Verantwortung tragen und in den vergangenen Jahren aufgrund der wirtschaftlichen Turbulenzen Einschnitte hinnehmen mussten. Dagegen waren die Bezüge der Ärzte aus der gesetzlichen Krankenversicherung nicht nur krisensicher, sondern wuchsen in dieser Zeit sogar noch konstant.

„Ärzte gehören seit Jahren zu den Gutverdienern in der Hansestadt“, sagte Kathrin Herbst, Leiterin der Landesvertretung des Verbands der Ersatzkassen. „Die mehr als angemessene Vergütung wird von den Hamburger Ärztefunktionären aber leider sehr ungleich verteilt. Vor allem Kinder- und Hausärzte werden systematisch benachteiligt. Das muss ein Ende haben! Die Lösung dieses Problems liegt aber ganz sicher nicht in überzogenen Honorarforderungen zulasten der Versichertengemeinschaft.“

Matthias Mohrmann, Mitglied des Vorstands der AOK Rheinland/Hamburg, betonte: "Die beschworene Notlage der Hamburger Ärzte ist im Vergleich mit anderen Bundesländern nicht nachvollziehbar - die nicht zu erklärenden Unterschiede in der Vergütung einzelner Arztgruppen dagegen schon. Hier sollte die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg ihre Hausaufgaben machen und zu einer besseren Verteilungsgerechtigkeit beitragen."  

Dr. Dirk Janssen, Vorstandsbevollmächtigter BKK-Landesverband NORDWEST: „Die gute regionale Versorgung in Hamburg wird von den Krankenkassen bereits überdurchschnittlich gut vergütet. Protestaktionen wie zum Beispiel Praxisschließungen würden ausschließlich die Patientinnen und Patienten treffen. Damit würde die Ärzteschaft die Gesundheitsversorgung nicht verbessern, sondern ihr einen Bärendienst erweisen.“

Fakt ist: Die Krankenkassen zahlen an die KV Hamburg – und damit an die Hamburger Ärzte - schon jetzt eine Vergütung, die im Bundesvergleich weit überdurchschnittlich ist. Diese hohe Vergütung lässt sich auch nicht damit erklären, dass in der Hansestadt mehr kranke Versicherte leben als in anderen Bundesländern. Im Gegenteil: Hamburg hat die jüngste Bevölkerung und die gesündesten Versicherten Deutschlands.

Es kann ebenfalls keine Rede davon sein, dass die Hamburger Ärzte in den vergangenen vier Jahren unter Entscheidungen aus Berlin besonders gelitten hätten. Richtig ist, dass nach dem Willen des Gesetzgebers die Lebensbedingungen und damit auch die Vergütung ambulanter ärztlichen Leistungen in allen Bundesländern immer stärker angeglichen wurden. Die Folge: In Bundesländern, in denen die Vergütung unterdurchschnittlich war (und zum Teil heute noch ist), gab es einen Nachholeffekt; in Ländern mit einer besonders hohen Gesamtvergütung hingegen moderate Steigerungen. Der Gesetzgeber bescherte den Hamburger Ärzten folglich kein Minus beim Honorar - lediglich das Plus fiel niedriger aus.

Wer den Begriff der gleichwertigen Lebensverhältnisse, eine zentrale Leitvorstellung des Bundes und der Länder, Ernst nimmt, hat also keinen Grund, zu jammern. Ab 2013 fallen die Honorarzuwächse wieder in allen Bundesländern gleich aus, eine vorteilhafte Entwicklung aus der Perspektive der Ärzte in der Hansestadt. Umso unverständlicher ist das fortgesetzte Wehklagen von Seiten der KV Hamburg.

Diese Pressemitteilung wurde von den Krankenkassen in Hamburg veröffentlicht.


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