Patientinnen und Patienten brauchen im Krankheitsfall schnell Klarheit, an welcher Stelle der Versorgung sie am besten aufgehoben sind und wie sie zielgerichtet dorthin gelangen. Dafür müssen sie künftig besser durch die Hamburger Versorgungslandschaft begleitet werden. Das wurde gestern beim 14. Hamburger Gesundheitstreff des Verbands der Ersatzkassen e. V. (vdek) deutlich.
Thema war der geplante Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein Primärversorgungssystem und die Frage, wie Notfall-, Akut-, und Regelversorgung in der Hansestadt zum Wohl der Patientinnen und Patienten optimaler ineinandergreifen können.
Dazu Melanie Schlotzhauer, Senatorin für Gesundheit, Soziales und Integration: „Ein modernes Primärversorgungssystem ermöglicht es, Patientinnen und Patienten schneller zum richtigen Angebot zu führen und knappe Ressourcen gezielter einzusetzen. Dabei muss der Aufbau der Primärversorgung mit der Weiterentwicklung der Notfallversorgung und der Einführung Integrierter Notfallzentren zusammengedacht werden. Eine digitale Bedarfseinschätzung führt dazu, Behandlungsbedarf und Dringlichkeit besser einzuschätzen und die geeignete Versorgungsebene zu finden – von der Selbsthilfe und der Selbstversorgung über die hausärztliche Versorgung bis hin zur fachärztlichen oder notwendigen Notfallversorgung.“
Einheitliche Ersteinschätzung und Terminvermittlung ohne Diskriminierung
Für den vdek gehören zu einer künftigen Primärversorgung unter anderem ein einheitliches (digitales) Ersteinschätzungsverfahren, das Hilfesuchenden Orientierung zum Behandlungsbedarf und zur richtigen Anlaufstelle gibt, eine diskriminierungsfreie Terminvermittlung nach medizinischem Bedarf sowie ein verstärkter Einsatz qualifizierter nichtärztlicher Gesundheitsberufe.
„Dass es im Gesundheitswesen viele Wege in die Versorgung gibt, zeigt einerseits, wie leistungsfähig das System ist. Andererseits führt die mangelnde Steuerung zu teilweise langen Wartezeiten auf Termine, zu großer Unzufriedenheit bei Versicherten und zu einer Überlastung der Ärzteschaft und des gesamten Gesundheitspersonals“, so die Vorstandsvorsitzende des vdek, Ulrike Elsner. „Was wir jetzt brauchen, ist die Neustrukturierung der Versorgungspfade, damit Behandlungskapazitäten optimal genutzt, Wartezeiten verringert werden und die Versorgung auch im Sinne einer höheren Zufriedenheit der Versicherten verbessert wird.“
„Veränderungen können nur gelingen, wenn alle mitziehen“
In seinem Impulsvortrag zur Frage „Welche Reformen brauchen wir für eine effektive Patientensteuerung?“ betonte Prof. Dr. Jonas Schreyögg, Wissenschaftlicher Direktor des Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg: „Wir benötigen dringend mehr Patientensteuerung, um die Inanspruchnahme zu senken und die Versorgungsqualität für die Patienten zu verbessern. Dabei sollten Notfallreform und Primärversorgungsreform ineinandergreifen.“
„Veränderungen können nur gelingen, wenn alle mitziehen“, so Kathrin Herbst, Leiterin der vdek-Landesvertretung Hamburg. „Wir brauchen ein besser am Bedarf orientiertes Gesundheitssystem und eine für Patientinnen und Patienten einfach zugängliche Steuerung.“
Kathrin Herbst verabschiedet und Staffelstab an Ute Leonhardt übergeben
Zum 14. Hamburger Gesundheitstreff waren rund 90 Personen aus Politik, Gesundheitsversorgung, Wissenschaft und Medien zusammengekommen. Bei der Veranstaltung wurde die langjährige Leiterin der vdek-Landesvertretung, Kathrin Herbst, in den Ruhestand verabschiedet und der Staffelstab an ihre Nachfolgerin, Ute Leonhardt, übergeben.
Kontakt
Stefanie Kreiss
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Hamburg
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