Die Zahl der Menschen mit Pflegebedarf steigt auch in Hamburg stetig an. Um ihnen ein möglichst langes Leben im vertrauten Umfeld zu ermöglichen, startet Hamburg zum 1. Mai 2026 insgesamt sechs Modellprojekte. Die Sozialbehörde und die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen erproben hierüber in Zusammenarbeit mit den Pflegekassen und sechs Bezirksämtern quartiersorientierte, innovative Maßnahmen, um ältere Menschen in ihrem Umfeld zu unterstützen.
Im Mittelpunkt stehen Pflege- und Unterstützungsangebote, gemeinschaftlich nutzbare Räume, nachbarschaftliche Aktivitäten, eine übergreifende Quartierskoordination sowie die barrierearme Gestaltung des Wohnumfelds. Die Vorhaben werden je zur Hälfte durch die Pflegekassen und Hamburgs Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere getragen.
Sicherheit der pflegerischen Versorgung im Fokus
Hamburg gilt als vergleichsweise „junge“ Stadt, weil lediglich gut ein Fünftel der Menschen 65 Jahre oder älter sind. Das heißt aber auch, dass hier schon heute gut 350.000 ältere Menschen leben – Tendenz steigend. Viele von ihnen möchten dauerhaft in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben und wünschen sich trotz Pflegebedarfs oder des Verlusts des Partners oder der Partnerin ein selbstbestimmtes Wohnen zu Hause oder zumindest im vertrauten Quartier. Dazu braucht es nicht nur barrierearme Wohnungen, sondern auch pflegerische Versorgungssicherheit, nachbarschaftliche Unterstützung sowie eine professionelle Gesamtkoordination.
Hier setzt das neue Gemeinsame Modellvorhaben für Unterstützungsmaßnahmen und -strukturen vor Ort und im Quartier mit dem Namen: Wohnen bleiben im Quartier an. Mit der Einführung der Förderung nach § 123 SGB XI hat der Bund den Weg für eine Beteiligung der Pflegekassen an innovativen Unterstützungsmaßnahmen für Pflegebedürftige vor Ort und im Quartier geebnet. Kofinanziert über den Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere starten zum 1. Mai in sechs Bezirken Hamburgs entsprechende Modellprojekte, die Pflege, Beratung und nachbarschaftliche Unterstützung enger miteinander verzahnen.
Niedrigschwelliger Zugang zu Hilfsangeboten
Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte Quartierspflegedienste, die als zentrale Anlaufstelle für Beratung, Unterstützung und Vermittlung eine Kümmerer-Funktion übernehmen und pflegerische Versorgung am Tag und in der Nacht sicherstellen. Gleichzeitig koordinieren sie die Angebote vor Ort, arbeiten eng mit bestehenden Strukturen zusammen und binden nachbarschaftliche Netzwerke sowie ehrenamtliches Engagement ein. Quartierstreffs dienen als zentrale Orte der Begegnung, Beratung und Unterstützung und stärken den sozialen Zusammenhalt sowie niedrigschwellige Zugänge zu Hilfsangeboten.
Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer: „Wenn Menschen älter werden, wird das eigene Zuhause oft noch wichtiger – als Ort der Sicherheit, der Vertrautheit und des eigenen Alltags. Entscheidend ist dann die Frage: Wie kann Hilfe so organisiert werden, dass ein Leben zu Hause auch bei Unterstützungsbedarf möglich bleibt? Genau hier setzen wir mit den Modellprojekten an. Wir bringen Hilfe näher zu den Menschen – direkt vor Ort – und sorgen dafür, dass sie einfacher erreichbar ist. Dass jemand da ist, der berät, begleitet und den Überblick behält. Und dass niemand lange suchen muss, wenn Hilfe gebraucht wird. Dabei verbinden wir professionelle Pflege mit nachbarschaftlicher Unterstützung und schaffen verlässliche Anlaufstellen im Quartier. So ermöglichen wir, dass Menschen auch dann gut in ihrem Zuhause leben können, wenn das Leben schwieriger wird.“
vdek: Gesundes Altern im Quartier als Herzenswunsch
Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen:„Mit den neuen Modellprojekten setzt Hamburg ein deutliches Signal für ein lebenslanges Wohnen im Quartier und stärkt damit die Unterstützung vor Ort für ältere und pflegebedürftige Menschen. Viele Menschen möchten in der eigenen Wohnung oder zumindest im vertrauten Quartier alt werden. Dafür braucht es mindestens barrierearme Wohnungen und ein Umfeld, das auf den erhöhten Pflege- und Assistenzbedarf eingeht. Schon die fünf LeNa-Projekte der SAGA zeigen, wie das funktionieren kann. Sie bieten barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen mit und ohne Pflege- und Assistenzbedarf und verbinden das mit einem Quartierspflegedienst und Begegnungsangeboten und gegenseitiger nachbarschaftlicher Unterstützung. Mit den sechs neuen Modellprojekten werden weitere Versorgungslücken geschlossen, Zugänge zu Unterstützungsangeboten vereinfacht und die Selbstständigkeit von pflegebedürftigen Menschen gestärkt. Das unterstützen wir durch unseren Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere.“
Bettina Schomburg, Bezirksamtsleiterin Hamburg-Nord: „Das Wohnen bleiben und älter werden im Quartier ist auch aus Bezirkssicht ein wichtiges Thema – mit Blick auf unsere Angebote und als wichtiger Bestandteil der Stadtteil- und Quartiersentwicklung. Die Menschen tragen ihre Wünsche hierzu in Beteiligungsformaten und Gremien an uns heran. Umso mehr begrüßen die Bezirksämter, dass es gelungen ist, sechs einschlägige Modellvorhaben für die Umsetzung vor Ort zu gewinnen. Herausheben möchte ich die besonders gelungene ressortübergreifende Zusammenarbeit aller Beteiligten schon bei der Vorbereitung. Diese Kooperation über das sogenannte Forum Quartiere bildet eine starke Basis für die Begleitung der Projekte und die weitere Entwicklung.“
Kathrin Herbst, Leiterin der Landesvertretung Hamburg des Verbands der Ersatzkassen e. V., stellvertretend für die Pflegekassen in Hamburg:„Möglichst gesundes Älterwerden in vertrauter Umgebung ist ein Herzenswunsch, den wir alle in uns tragen. Mit den neuen Modellvorhaben erproben wir Konzepte, die Hamburger Pflegebedürftige dabei unterstützen, möglichst lange im gewohnten Umfeld zu bleiben. Neue Ideen sollen dabei helfen, Ansprechpartner für Pflegebedürftige in ihrem Quartier zu schaffen, knappe Ressourcen von Fachkräften noch sinnvoller einzusetzen und pflegenden Angehörigen mit Hilfe digitaler Vernetzung die häusliche Pflege zu erleichtern.“
Finanzierung hälftig durch Pflegekassen und Stadt
Die Auswahl der Projekte erfolgte gemeinsam mit den Pflegekassen in einem zweistufigen Interessenbekundungs- und Auswahlverfahren. Durchgesetzt haben sich Vorhaben, die durch besonders innovative Ansätze überzeugen konnten und starke Impulse für eine Weiterentwicklung und mögliche Überführung in Regelstrukturen geben können.
Die Finanzierung erfolgt hälftig durch die Pflegekassen und die Freie und Hansestadt Hamburg über den Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. Die Pflegekassen sind dabei nicht nur Fördermittelgeber, sondern haben das Modellvorhaben gemeinsam mit der Stadt konzipiert und die Auswahl der Projekte aktiv mitgestaltet.
Projekte gezielt in Quartieren mit hoher Einwohnerdichte
Die Modellprojekte werden gezielt in Quartieren mit besonderem Entwicklungsbedarf und einer hohen Einwohnerdichte umgesetzt.
Sie werden wissenschaftlich begleitet und evaluiert durch die Universität Osnabrück. Ziel ist es, Erkenntnisse über wirksame Strukturen zu gewinnen und Impulse für die Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung zu setzen.
Das Modellvorhaben ist Teil der Senatsstrategie „Age-friendly City – für ein altersfreundliches Hamburg“ und wird gemeinsam von der Sozialbehörde, der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen und sechs Bezirksämtern auf den Weg gebracht.
Fakten zu den Modellprojekten
- Sechs Modellprojekte in sechs Bezirken
- Fördervolumen: rund 5,2 Millionen Euro
- Finanzierung: je zur Hälfte durch Pflegekassen und Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen
- Laufzeit: Mai 2026 bis April 2029
- Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation durch die Universität Osnabrück.
Die sechs Modellprojekte im Überblick:
- Hamburg-Mitte: AWO Hamburg Seniorenwohnen & Pflege gGmbH – Wohnen bleiben im Quartier Mümmelmannsberg
- Eimsbüttel: Immanuel Albertinen Diakonie / Albertinen-Haus – Quartiersanker Albertinen-Haus
- Hamburg-Nord: ASB Sozialeinrichtungen (Hamburg) GmbH – Netzwerkquartier Langenhorn
- Wandsbek: Gesundheit für Billstedt/Horn Gemeinsam Gesund gUG – ZUSAMMEN.ALTERN.HOHENHORST
- Bergedorf: alsterdorf assistenz ost gGmbH – Gesund im Quartier: Mobile Community Health Nurses
- Harburg: DRK Hamburg Soziale Dienste GmbH – Wohnen bleiben im Quartier Neuwiedenthal
Wohnen bleiben im Quartier: Mehr Lebensqualität für alle Generationen
Die Stadt Hamburg schafft auf mehreren Ebenen die Grundlage für neue quartiersorientierte Versorgungsmodelle in Hamburg, damit Menschen im Alter selbstbestimmt im vertrauten Umfeld leben können. Mit den „Lebendigen Nachbarschaften“ (LeNa) der SAGA und LeNa-ähnlichen Projekten wurde vor gut zehn Jahren ein quartiersorientiertes Versorgungsmodell eingeführt, das älteren und pflegebedürftigen Menschen ein selbstbestimmtes Wohnen im vertrauten Quartier ermöglicht. Eine Machbarkeitsstudie der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat 2024 Erfolgsfaktoren wie pflegerische Versorgungssicherheit, Vernetzung vorhandener Angebote, Kooperationen von Eigentümern und Quartierskoordination dieser Projekte analysiert und Fokusräume für die Weiterentwicklung identifiziert.
Die verwaltungsinterne Kooperation zwischen Bezirksämtern und Fachbehörden „Forum Quartiere“ koordiniert die Priorisierung im Hinblick auf Bedarf und Umsetzbarkeit. Inzwischen bestehen 20 LeNa- und LeNa-ähnliche Projekte. Ergänzend läuft das Projekt „QplusAlter“ der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, das mit Lotsinnen und Lotsen ältere Menschen in 17 Quartieren begleitet, sozialraumorientierte Ansätze erprobt und evaluiert. Ab sofort ergänzt das Modellvorhaben nach § 123 SGB XI diese Ansätze an sechs Standorten in Kooperation mit den Pflegekassen.
Kontakt
Stefanie Kreiss
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Hamburg
Tel.: 0 40 / 41 32 98 - 20
E-Mail: stefanie.kreiss@vdek.com