Ambulante Behandlung

Spezialfachärztliche Versorgung

Patienten, die an seltenen oder hochkomplexen Erkrankungen leiden, sind darauf angewiesen, dass ihre Ärzte in Krankenhäusern und Praxen besondere Anforderungen erfüllen. Außerdem kann es sinnvoll sein, dass die Betroffenen nach einem Klinikaufenthalt eine dort begonnene komplexe Behandlung bei einem niedergelassenen Mediziner - unter Wahrung der Behandlungsqualität - weiterführen. Ein neuer Versorgungsbereich soll diese Verzahnung zwischen ambulantem und stationärem Facharzt vereinfachen: die sogenannte spezialfachärztliche Versorgung. Die Ersatzkassen begrüßen das Grundanliegen des neuen Angebots, denn eine optimierte Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Praxen kann helfen, die Versorgung nachhaltig zu verbessern. Da es aber heute schon in Hamburg wie auch in anderen Großstädten ein ausgeprägtes ambulantes Versorgungsangebot an Kliniken und im Bereich der niedergelassenen Ärzte gibt, dessen Vielfalt für Patienten häufig unüberschaubar ist, muss die Frage erlaubt sein, welche Chancen, aber auch welche Risiken sich im Detail auftun.

Stadtstaaten besonders aktiv

Das neue Angebot, das im Versorgungsstrukturgesetz als „ambulante spezialfachärztliche Versorgung“ bezeichnet wird, umfasst die Diagnose und Behandlung schwer therapierbarer Krankheiten. Darunter fallen komplexe Krankheitsverläufe bei beispielsweise schwerer Herzinsuffizienz, seltene Erkrankungen wie Tuberkulose, aber auch hochspezialisierte Leistungen – zum Beispiel die sogenannte Brachytherapie, einer besonderen Behandlungsform bei Krebs. Sowohl Krankenhäuser als auch niedergelassene Ärzte können die Aufgaben des neuen Versorgungsbereichs wahrnehmen.
Nach dem bisher geltenden Angebot durften sich dagegen nur Krankenhäuser an der spezialfachärztlichen Versorgung beteiligen. In Hamburg haben die zuständigen Gremien dafür in den vergangenen Jahren rund 100 Anträge von Kliniken bewilligt. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat in einer Analyse festgestellt, dass im bundesweiten Vergleich unter anderem in den Stadtstaaten besonders viele Zulassungen erteilt wurden.

Seit Anfang 2014 hat sich in der Hansestadt ein Gremium konstituiert, der sogenannte "erweiterte Landesausschuss", an den sich Fachärzte und Kliniken wenden können, um eine Berechtigung für den neuen Versorgungsbereich zu erwerben. Seit 1. April 2014 ist dies für die spezielle Versorgung von Tuberkulose-Patienten möglich; zum Sommer soll die Versorgung von Menschen dazukommen, die unter Tumoren der Bauchhöhle und gastrointestinalen Tumoren leiden.

Keine Mengensteuerung

Kritisch wird von den Ersatzkassen gesehen, dass der Gesetzgeber keine Mengensteuerung und keine Bedarfsplanung für den neuen Versorgungsbereich vorsieht. Das heißt, das Angebot erfolgt nach dem Prinzip „Wer kann, der darf und so oft er will“. Dies kann eine starke Anreizwirkung auf Vertragsärzte und Kliniken ausüben und zu einer nicht am Bedarf orientierten Ausweitung des Leistungsangebots gerade in ohnehin gut versorgten Metropolen und Ballungsgebieten führen. Ärzte und Krankenhäuser sind damit aufgefordert, zum Wohl der Patienten verantwortungsvoll und versorgungsorientiert mit den neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit umzugehen.