Qualitätssicherung

Externe Qualitätssicherung - EQS Hamburg

Misslungene Bandscheiben-OPs und Keimbefall bei Frühchen lenken den öffentlichen Blick immer wieder darauf, wie wichtig die Sicherung von Qualität bei Klinikbehandlungen ist. Zentrales Steuerungselement dafür ist die sogenannte Externe Qualitätssicherung (EQS). Die Landesgeschäftsstelle EQS-Hamburg ist eine Informations- und Beratungsplattform, die das Ziel verfolgt, die Leistungen der Krankenhäuser in Medizin und Pflege zu verbessern und zu vergleichen. Sie ist eine Arbeitsgemeinschaft der Kassenverbände und der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft; die Ärztekammer und der Medizinische Dienst sind einbezogen.

Zum methodischen Prinzip der EQS gehört, dass die Krankenhäuser die Behandlung aller Patienten in ausgewählten Bereichen nach zuvor festgelegten Qualitätsindikatoren dokumentieren (z.B. Angaben zu Diagnose sowie zu Verlauf und Ergebnis einer Therapie). Die Indikatoren werden dabei in Kennzahlen umgerechnet. Liegen die Zahlen außerhalb des zulässigen Ergebnisbereichs, tritt die EQS mit dem betreffenden Krankenhaus in einen sogenannten strukturierten Dialog. Im Jahr 2012 gab es über 340 solcher Gespräche über eventuelle Behandlungsmängel bei insgesamt 448 000 Krankenhausfällen in der Hansestadt.

Nahaufnahme eines ausgedruckten Elektrokardiogramms

Qualität messbar machen

Welchen direkten Nutzen hat die Qualitätssicherung für Versicherte? Gibt es Verbesserungspotenziale in Hamburg? Was geschieht bei Auffälligkeiten? Dazu Ralf Hohnhold, Landesgeschäftsstellenleiter EQS-Hamburg, im Interview. Weiter

Und so läuft der Dialog ab: Bei rechnerischen Auffälligkeiten werden die Häuser um eine Stellungnahme gebeten. Diese wird dann anonymisiert dem zuständigen Fachgremium vorgelegt, in dem neben Ärzten und dem Medizinischen Dienst auch Patientenvertreter sitzen. Falls kein Dokumentationsfehler vorliegt, sondern beispielsweise eine Komplikation, versucht das Gremium zu ergründen, ob diese vermeidbar war. Je nach Ergebnis kann es dazu kommen, dass beispielsweise der ärztliche Leiter der entsprechenden Krankenhaus-Fachabteilung in das Gremium einbestellt wird, um die vermuteten Qualitätsmängel zu diskutieren.

Mit dieser Vorgehensweise verfolgt die EQS klare Ziele: Qualitätsdefizite sollen identifiziert werden, das interne Qualitätsmanagement eines Krankenhauses soll unterstützt und der Nutzen für den Patienten soll optimiert werden. Für jeden Krankenhausfall in Hamburg zahlen die Krankenkassen derzeit knapp einen Euro für das Qualitätssicherungsverfahren.

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Die sogenannte einrichtungs-und sektorenübergreifende Qualitätssicherung (Qesü) bezeichnet den neuen Versuch, die Qualitätsüberprüfung ambulanter und stationärer Versorgung zu verknüpfen. Bisher erfolgte Qualitätssicherung in Kliniken und Praxen getrennt. Eine sektorenübergreifende Prüfung der medizinischen Versorgung war nicht möglich. Mit der neuen Regelung sollen Behandlungen als Ganzes analysiert und beurteilt werden können, auch wenn sie beispielsweise im Krankenhaus beginnen und anschließend beim niedergelassenen Arzt fortgesetzt werden.

Krankenhauspersonal vor den Operationssälen

Der vdek-Kliniklotse

Der Kliniklotse unterstützt Verbraucher dabei, ein Krankenhaus nach Wunsch zu finden. Die verwendete Datenbasis sind die Qualitätsberichte der Krankenhäuser, die entsprechend der gültigen Regelung des Gemeinsamen Bundesausschusses erstellt wurden. www.vdek-kliniklotse.de

Qualitätsberichte

Krankenhäuser sind gesetzlich dazu verpflichtet, einmal jährlich einen sogenannten Qualitätsbericht zu verfassen. Er soll Patienten und Versicherte über die Qualität und das Leistungsangebot eines Hauses informieren. Richtlinien zum Inhalt der Berichte legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest. Er bestimmt Qualitätsindikatoren, an denen sich die Veröffentlichungen orientieren. Für 2013 legte das Gremium 290 Indikatoren fest, das sind rund 100 mehr sind als im Vorjahr. Krankenkassen und Krankenhäuser veröffentlichen die Qualitätsberichte im Internet.

 

Grafik: Ansteigende Säulen; auf der ersten ein Frage-, auf der letzten ein Ausrufezeichen

Wie finde ich das passende Krankenhaus?

Für Patientinnen und Patienten sowie für einweisende Ärzte hat der Gemeinsame Bundesausschuss nützliche Informationen zur Nutzung von Qualitätsberichten der Krankenhäuser zusammengestellt. In einem Glossar werden zusätzlich die wichtigsten Fachbegriffe erläutert.

Mengenentwicklung im Krankenhaus

Die Ausgaben der Krankenhäuser in Hamburg wachsen von Jahr zu Jahr. Diese Steigerungen sind zum Teil im medizinischen Fortschritt und in der älter werdenden Gesellschaft begründet. Gleichzeitig nimmt die Zahl der planbaren Operationen stark zu – etwa bei Knie- und Hüft-OPs sowie bei Eingriffen an der Wirbelsäule. Diese Mengendynamik ist aber nur zum Teil damit zu erklären, dass die Bevölkerung älter wird und fortschrittlichere Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen. Offenbar sind noch weitere Faktoren zu beachten. Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zeigt, dass auch ökonomische Anreize des DRG-Systems eine Rolle spielen.

Lesen Sie zur Mengen-Preis-Problematik auch den Artikel aus dem ersatzkasse magazin. Weiter