Steigende Kosten in Hamburger Pflegeheimen

Pflegebedürftige müssen monatlich 58 Euro mehr zahlen - Neuer Zuschlag bringt Entlastung, aber nur bei längerem Heimaufenthalt

Hansestadt muss endlich die Investitionskosten übernehmen

Die Eigenanteile, die Hamburger Pflegebedürftige in Pflegeheimen für pflegebedingte Aufwendungen, Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten aus eigener Tasche zahlen müssen, steigen weiter. Der monatliche Betrag ohne Zuschläge nahm durchschnittlich um 58 Euro auf nun 2.226 Euro zu (von Januar 2022 auf Juli 2022). Das entspricht einem Plus von 2,68 Prozent.

Das Bundesland ist damit der teuerste Stadtstaat und das sechstteuerste Bundesland im Ländervergleich. Gründe für die Kostensteigerungen sind vor allem die bessere und tariflich gebundene Bezahlung des Pflegepersonals sowie steigende Lebenshaltungs- und Energiekosten.

Keine nachhaltige finanzielle Unterstützung für alle Betroffenen

Für Entlastung soll die seit 1.1.2022 geltende gesetzliche Regelung sorgen, wonach sich die Pflegekassen mit einem Leistungszuschlag an den pflegebedingten Aufwendungen beteiligen. Der Zuschlag ist je nach Aufenthaltsdauer gestaffelt.

Doch ist dieser Zuschlag erst ab einem Aufenthalt von einem Jahr spürbar, wie eine Datenauswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) im Zeitraum vom 1.1.2022 bis 1.7.2022 zeigt. Für Pflegebedürftige in der Hansestadt, die kürzer als ein Jahr im Pflegeheim sind, ist der Entlastungseffekt bereits sechs Monate nach Einführung der Zuschläge verpufft.

Ohne den Zuschlag aufgrund der Neuregelung hätten Hamburger Pflegebedürftige zu Jahresbeginn einen durchschnittlichen Eigenanteil von 2.168 Euro pro Monat tragen müssen. Aber auch mit dem neuen Zuschlag liegt der Eigenanteil für Pflegebedürftige mit einer Aufenthaltsdauer von bis zu einem Jahr bei 2.184 Euro (Stichtag: 1.7.2022).

Jedoch kommt die Wirkung des Zuschlags zum Tragen, je länger Pflegebedürftige im Pflegeheim leben. Bei einer Aufenthaltsdauer ab drei Jahren (Zuschlag 70 Prozent) beispielsweise vermindert sich der Eigenanteil spürbar auf 1.636 Euro.

"Bei solch hohen Eigenanteilen bleibt Pflegebedürftigkeit ein Armutsrisiko"

„Bei solch hohen Eigenanteilen bleibt Pflegebedürftigkeit ein Armutsrisiko. Gute Pflege muss aber für alle bezahlbar bleiben. Daher brauchen wir dringend eine nachhaltige politische Lösung“, sagte Ralf Baade, der stellvertretende Leiter der vdek-Labdesvertretung. „Das Bundesland Hamburg muss endlich auch seiner Verpflichtung nachkommen, die Investitionskosten zu übernehmen. Das würde den Pflegebedürftigen in den Pflegeheimen der Hansestadt eine erhebliche Entlastung von 567 Euro im Monat bringen“.

Unter Investitionskosten versteht man die unter anderem die Modernisierung und Instandhaltung von Gebäuden.

Webportal www.pflegelotse.de macht Qualität und Kosten transparent

Bei den Ergebnissen der vdek-Datenauswertung handelt es sich um Durchschnittswerte in Hamburg. Im Detail werden für jeden Kostenbereich die jeweiligen Vergütungssätze der Pflegeheime des Stadtstaats zusammengezählt und durch die Anzahl der entsprechenden Einrichtungen geteilt. Da es sich um Durchschnittswerte handelt, können die tatsächlichen Kosten – und damit auch die Eigenbeteiligung – je nach Heim deutlich höher oder niedriger sein.

Bei der Suche nach einem Heim können Pflegebedürftige über www.pflegelotse.de herausfinden, wie hoch der individuelle Anteil ist, den sie konkret selbst finanzieren müssten. Ganz wichtig ist auch die Transparenz über die Pflegequalität der Heime: Dazu informiert das Online-Portal auf der Grundlage objektiver Prüfergebnisse.

Weiterführende Informationen: https://www.vdek.com/LVen/HAM/fokus/Pflege.html

Kontakt

Stefanie Kreiss
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Hamburg

Tel.: 0 40 / 41 32 98 - 20
E-Mail: stefanie.kreiss@vdek.com