Anlässlich des aktuell stattfindenden Pharmadialogs fordert der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) Reformen im Arzneimittelbereich.
„Die Pharmaindustrie muss bei den anstehenden Finanzreformen ihren Beitrag leisten“, fordert Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek. „Grund für die Ausgabensteigerungen im Arzneimittelbereich sind die hohen Preise. Neue patentgeschützte Arzneimittel kommen mit immer höheren Preisen auf den Markt.“
2026 wird die GKV mehr als 60 Milliarden Euro für die Arzneimittelversorgung ausgeben. In den letzten zehn Jahren stiegen die Leistungsausgaben für Arzneimittel um 67 Prozent. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Ausgaben durchschnittlich um 6,2 Prozent jedes Jahr gewachsen und damit fast doppelt so schnell wie die Beitragseinnahmen mit 3,4 Prozent. Hauptursache für die Entwicklung sind die neu auf den Markt kommenden patentgeschützten Arzneimittel. Jeder zweite Euro im Arzneimittelbereich wird für solche Patentarzneimittel ausgegeben, obwohl diese neuen patentgeschützten Arzneimittel nur sieben Prozent der Packungen ausmachen. Jahrestherapiekosten im sechsstelligen Bereich, etwa bei den Medikamenten Keytruda® oder Idefirix® sind heute keine Seltenheit mehr.
Elsner fordert konkrete Maßnahmen, um die Arzneimittelausgaben zu begrenzen:
- „Notwendig ist eine Reform des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG), mit dem Ziel, die Ausgaben für Arzneimittel stärker an den Zusatznutzen zu koppeln.
- Die Ausnahme in der frühen Nutzenbewertung für Orphan Drugs, also Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen muss abgeschafft werden, um auch für dieses Marktsegment zu angemessenen Preisen zu gelangen.
- Wir benötigen einen Vertragskatalog für patentgeschützte Arzneimittel, um wirkstoffübergreifende Ausschreibungen durchzuführen.
- Pharmaunternehmen sollten verpflichtend Mengenrabatte gewähren müssen, die den Preis senken, wenn die Menge steigt.
- Als kurzfristige Sparmaßnahme sollte der gesetzlich festgelegte Herstellerabschlag auf 16 Prozent erhöht werden. Das würde Einsparungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro jährlich bringen.
- Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes von derzeit 19 auf sieben Prozent ist längst überfällig. Es ist nicht verständlich, warum für viele Luxusgüter ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz gilt, aber nicht für lebensnotwendige Arzneimittel. Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, in dem der volle Mehrwertsteuersatz gilt.”
Kontakt
Michaela Gottfried
Askanischer Platz 1
10963 Berlin
Tel.: 0 30 / 2 69 31 – 12 00
Fax: 0 30 / 2 69 31 – 29 15
E-Mail: presse@vdek.com