Regionale Gesundheitspartner der Ersatzkassen

Delegation als Schlüssel zur Primärversorgung – Physician Assistants im Praxistest

„Nach Verabschiedung des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes muss jetzt die geplante Reform der Primärversorgung zügig von der Politik vorangetrieben werden”, fordert Boris von Maydell, Vertreter des Vorstandes beim Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek).

„Wir wünschen uns, dass der entsprechende Referentenentwurf kurzfristig vorgelegt wird. Dabei sollte neben der (digitalen) Ersteinschätzung auch die Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal eine zentrale Rolle spielen“, so von Maydell. „Ohne Unterstützung von Physician Assistants (PAs) und anderen nichtärztlichen Berufsgruppen werden wir die flächendeckende (haus)ärztliche Versorgung gerade in strukturschwachen Regionen künftig nicht sicherstellen können. Delegation ist das Schlüsselwort für eine zeitgemäße, zukunftsorientierte ambulante Versorgung.”

Um den Einsatz von PAs in primärversorgenden Praxen zu fördern, sei es erforderlich, in dem anstehenden Gesetz auch strukturelle Rahmenbedingungen für den Einsatz qualifizierter Gesundheitsberufe verbindlich zu regeln. Zudem müssten Studieninhalte und Regularien des Studiengangs Physician Assistance bundesweit vereinheitlicht, die Delegationsvereinbarung an die erweiterten Qualifikationen angepasst und die Honorarsystematik entsprechend weiterentwickelt werden.

Hausarztpraxis Gesenhues und Partner in Ochtrup erprobt Einsatz von PAs

Dass der Einsatz von PAs in der Praxis gut funktioniert, erproben die Ersatzkassen seit zwei Jahren gemeinsam mit der Hausarztpraxis „Gesenhues und Partner“ in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Ochtrup, die in einer dünn besiedelten Region mit ausgewiesenem Ärztemangel liegt. PAs sind akademisch ausgebildete Fachleute, die im Auftrag von Ärztinnen und Ärzten qualifizierte medizinische Tätigkeiten wie Anamnesegespräche, körperliche Untersuchungen, Wundversorgung, Impfungen und die Betreuung chronisch kranker Menschen übernehmen. Zur Verbesserung der Versorgung wurde eine von PAs betriebene Zweigpraxis im hausärztlich gering versorgten Umland eröffnet. Hier empfangen die Gesundheitsfachkräfte die Patientinnen und Patienten beispielsweise zur Infektsprechstunde, machen Voruntersuchungen und übernehmen Behandlungsmaßnahmen. Dabei stehen sie bei Bedarf per Videokonsil in Austausch mit der Ärzteschaft der Hauptpraxis. Diagnosestellungen, Therapieentscheidungen, Arzneimittelverordnungen als auch die Gesamtverantwortung bleiben in der Hand der Ärzteschaft.

„Die Erfahrungen aus dem Projekt haben uns überzeugt: PAs entlasten Ärztinnen und Ärzte spürbar, stärken die Versorgung vor Ort und schaffen zusätzliche Kapazitäten für Patientinnen und Patienten“, erklärt Praxisinhaber Dr. Sebastian Gesenhues. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind sie für uns ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil moderner, multiprofessioneller Praxisteams.“

vdek-Vorstandsvertreter von Maydell ergänzt: „Das Ersatzkassenprojekt ‚Regionale Gesundheitspartner’ zeigt ganz deutlich, dass viele Aufgaben im Versorgungsalltag nicht nur von einem Arzt oder einer Ärztin, sondern auch von gut ausgebildetem Fachpersonal übernommen werden können.“

Hintergrund „Physician Assistants“

Bislang sind PAs vorwiegend im stationären Bereich tätig. Um ihr Potenzial auch im ambulanten Bereich zu nutzen und den Fachberuf in die vertragsärztliche Regelversorgung zu integrieren, braucht es passende rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang hat der vdek gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants (DGPA) im Mai 2026 ein Forderungspapier veröffentlicht. Damit setzen sich die beiden Verbände unter anderem dafür ein, die Betreuung von Versicherten in Zweigpraxen unter ärztlicher Verantwortung regelhaft zu ermöglichen.

Ersatzkassenkonzept „Regionale Gesundheitszentren”

Die Praxis „Gesenhues und Partner“ ist Teil eines Modellprojekts, das zum  Ersatzkassenkonzept „Regionale Gesundheitszentren” (RGZ) gehört. Mit insgesamt drei „Regionalen Gesundheitspartnern“ erprobt der vdek, wie Delegation dazu beitragen kann, die flächendeckende Gesundheitsversorgung der Zukunft zu sichern. Neben der Hausarztpraxis in Nordrhein-Westfalen sind das regionale Versorgungszentrum in Wurster Nordseeküste in Niedersachsen und das medizinische Zentrum Lübbenau in Brandenburg beteiligt. Die drei Partner testen den Einsatz nichtärztlicher Fachberufe sowie mobiler digitaler Technik in Form eines Telemedizinrucksacks im Praxisalltag. Neben PAs sind auch nichtärztliche Praxisassistentinnen und -assistenten (NäPA) sowie Care und Case Managerinnen und Manager tätig. Einblicke in das Projekt gibt der Film „Regionale Gesundheitspartner der Ersatzkassen”.

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Michaela Gottfried
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