Die finanzielle Lage in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der sozialen Pflegeversicherung (SPV) spitzt sich weiter zu. Um beide Säulen der sozialen Sicherung für die Zukunft modern und demografiefest aufzustellen, hat der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) auf seiner vdek-Neujahrspressekonferenz eine strikte Orientierung der Ausgaben- an der Einnahmenentwicklung, eine bessere Steuerung der Versorgung und mehr gesamtgesellschaftliche Verantwortung bei der Finanzierung versicherungsfremder Leistungen gefordert.
„2026 muss das Jahr echter Reformen werden“, merkte vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner an. „Wir brauchen erstens eine solide Finanzierung und zweitens neue Impulse für die Versorgung.“ Mit Blick auf die Finanzsituation der GKV verwies Elsner auf das massive Ausgabenproblem, das sich insbesondere seit 2024 verschärft hat. So beliefen sich die Ausgaben 2026 auf ein Rekordwert von geschätzt rund 370 Milliarden Euro. Einflüsse von Demografie, Teilzeitbeschäftigung und Familienversicherung auf der Einnahmenseite verschärften das Problem, ergänzte Elsner mit Bezug auf eine Analyse des IGES Instituts. Jeder Leistungsbereich sollte seinen Beitrag zur Stabilisierung der Ausgaben und damit der Beitragssätze leisten, dazu gehören insbesondere der Krankenhausbereich und die Arzneimittelversorgung.
Auf Seiten der Pflegeversicherung zeigt sich ein ähnliches Bild: Wie in GKV stiegen die Ausgaben hier rasant an und würdenim Jahr 2026 ein Rekordniveau von geschätzt rund 80 Milliarden Euro erreichen, sagte der vdek-Verbandsvorsitzende Uwe Klemens. Um die Zahlungsfähigkeit der SPV sicherzustellen und die Beitragssätze 2026 stabil zu halten, würden Darlehen des Bundes in Höhe von 3,2 Milliarden Euro eingesetzt, dies sei lediglich eine „finanzielle Stabilität auf Pump“. Ab 2027 seien diese Kredite zudem aufgebraucht. Von der Bund-Länder-Kommission „Zukunftspakt Pflege“, die Ende Februar 2026 die abschließende Bewertung ihrer Ergebnisse vorlegen wird, erwartet Klemens Antworten auf die wichtigen Finanzierungsfragen der Zukunft, und skizzierte sechs entscheidende Punkte. „Die Pflege ist ein Lebensrisiko, das jede und jeden treffen kann. Derartige Risiken müssen weiterhin im Kern solidarisch abgesichert werden. Dazu braucht es eine faire Finanzierung.“
Neue Impulse in der Versorgung und Patientensteuerung waren ein weiteres Thema der Neujahrs-Pressekonferenz. Für Sommer 2026 ist ein Referentenentwurf für ein Primärversorgungsmodell angekündigt. „Damit Primärversorgung im Alltag tatsächlich funktioniert, kommt es entscheidend auf ihre konkrete Ausgestaltung an“, betonte Elsner. Wichtig seien dabei eine digital gestützte Ersteinschätzung, die elektronische Überweisung und eine zentrale Terminplattform für schnellere Facharzttermine. „Erst durch das Zusammenspiel dieser Instrumente schaffen wir eine spürbar zielgenauere und verlässlichere Versorgung – gerade dann, wenn Menschen mit einem konkreten Problem medizinische Hilfe suchen.“
Als Gesprächspartner standen der Presse Uwe Klemens, ehrenamtlicher Verbandsvorsitzender des vdek, und Ulrike Elsner, hauptamtliche vdek-Vorstandsvorsitzende, zur Verfügung. Moderiert wurde die Neujahrs-Pressekonferenz von vdek-Pressesprecherin Michaela Gottfried.