Die Preise für neue, patentgeschützte Arzneimittel sind europaweit zu hoch. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Association Internationale de la Mutualité (AIM), zu deren Mitgliedern auch der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) gehört. So könnten in allen EU-Mitgliedstaaten zusammen jährlich bis zu 27 Milliarden Euro bei neuen Arzneimitteln eingespart werden, wenn die Preise besser an den tatsächlichen Kosten und dem therapeutischen Nutzen ausgerichtet wären. Das gilt vor allem auch für Deutschland, denn die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zahlt die zweithöchsten Preise weltweit – nach den USA. In den vergangenen 15 Jahren haben sich die GKV-Arzneimittelausgaben mehr als verdoppelt. 2025 betrugen sie fast 60 Milliarden Euro. 54 Prozent der Kosten machen patentgeschützte Arzneimittel aus, aber nur sieben Prozent der Verordnungen.
„Die aktuelle Studie zeigt das Einsparpotenzial im Arzneimittelbereich, wenn wir ein Preisbildungsverfahren hätten, dass sich stärker an den realen Kosten der Pharmaindustrie orientiert. Wir brauchen mehr Transparenz über die Kosten für Forschung und Entwicklung, um unangemessene Gewinnmargen der Pharmaindustrie zu verhindern”, so vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner. „Das gilt auch im Hinblick auf das aktuell laufende Gesetzgebungsverfahren des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Hier muss die Pharmaindustrie deutlich stärker in die Verantwortung genommen werden.”
Was hat die AIM-Studie untersucht
Für die AIM-Studie wurden die Preise von zehn patentgeschützten Arzneimitteln in Belgien, Estland, Deutschland, den Niederlanden, Slowenien und der Schweiz aus den Behandlungsfeldern Onkologie, seltene und chronische Erkrankungen unter die Lupe genommen. Dabei hat sich gezeigt, dass die von den Gesundheitssystemen gezahlten Preise oft in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen, die dem Hersteller bis zur Markteinführung entstehen. Grundlage der Berechnungen ist das „Fair-Pricing-Modell“, das die AIM entwickelt hat, um faire Preise zu ermitteln, die sowohl die Belange der Unternehmen als auch die der gesetzlichen Krankenkassen, und damit der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler berücksichtigen. Die Anwendung dieses Modells auf die Preisgestaltung der zehn ausgewählten Arzneimittel würde in den teilnehmenden Ländern zu einer durchschnittlichen Reduktion der Nettoausgaben um 73 Prozent führen. Besonders große Preisunterschiede zeigen sich im Bereich der Krebsmedikamente, die eine erhebliche finanzielle Belastung für die Gesundheitsbudgets in ganz Europa darstellen. Krebstherapien, die derzeit sehr hohe Behandlungskosten verursachen, könnten laut Berechnungen der AIM um bis zu 87 Prozent günstiger werden.
„Wir brauchen mehr Fairness bei der Arzneimittelpreisgestaltung, wie im AIM-Modell vorgeschlagen“, so Elsner. „In den Niederlanden und Belgien wird das Modell bereits erfolgreich von den Krankenkassen bei Preisverhandlungen mit der Pharmaindustrie eingesetzt. Der Gesetzgeber muss hier tätig werden, damit die Kosten für Forschung und Entwicklung bei künftigen Preisverhandlungen berücksichtigt werden können.“
Wie funktioniert das „Fair-Pricing-Modell“
Das Fair-Pricing-Modell der AIM ist ein transparentes Instrument zur Berechnung eines Preises, der für die Gesundheitssysteme erschwinglich ist und gleichzeitig Pharmaunternehmen ausreichend Anreize für Investitionen in Innovation und Produktion bietet. Das Modell berücksichtigt neben Forschungs-, Entwicklungs-, Produktions-, Vertriebs- und Marketingkosten auch einen angemessenen Gewinn (acht Prozent). Hinzu kommt ein Innovationsbonus, der an den therapeutischen Mehrwert gekoppelt ist. Hier gibt es weitere Informationen zum Fair-Pricing-Modell.
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