Weiterentwicklung Psychotherapie

Elsner: Wir brauchen konstruktive Ideen zur weiteren Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung

Am 15. April 2026 findet eine Demonstration der Psychotherapeutinnen und -therapeuten im Berliner Regierungsviertel statt, die sich gegen die Absenkung der Honorare ab 1. April 2026 wendet. Dazu äußert Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek):

„Wir fordern die Psychotherapeutinnen und -therapeuten auf, zu einer sachlichen Debatte zurückzukommen. Die Fokussierung auf die Honorarkürzungen ist aus unserer Sicht nicht sachgerecht und blendet die Gründe für die aktuellen Versorgungsprobleme in der psychotherapeutischen Versorgung, aber auch die akuten Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) völlig aus. Auch die Psychotherapeutinnen und -therapeuten müssen ihren Beitrag zur Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung leisten, indem die bestehenden Ressourcen besser genutzt und die Versorgung stärker am Bedarf ausgerichtet werden. Insbesondere die Versorgung schwer behandlungsbedürftiger Menschen muss im Mittelpunkt stehen.

Psychotherapeutische Versorgung in Deutschland herausragend

Grundsätzlich gehören die psychotherapeutischen Versorgungsstrukturen in Deutschland weltweit zu den besten überhaupt: Von 2013 bis 2024 stieg die Zahl der ambulant tätigen Psychotherapeutinnen und -therapeuten von rund 25.600 auf etwa 40.000 – ein Plus von über 50 Prozent. Nur die Hausärztinnen und Hausärzte bilden eine größere Gruppe. Gleichzeitig haben sich die Ausgaben der GKV für psychotherapeutische Leistungen von 1,59 Milliarden Euro auf 3,57 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Die Honorare der Psychotherapeutinnen und -therapeuten sind erheblich stärker gestiegen als die anderer Arztgruppen.

Ressourcen besser einsetzen

Diese Ressourcen müssen besser eingesetzt werden, um lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu vermeiden, gerade bei Patientinnen und Patienten mit dringendem Behandlungsbedarf. Deshalb sollte beispielsweise die Gruppentherapie, deren Wirksamkeit bei zahlreichen Indikationen wissenschaftlich gut belegt ist, dringend gestärkt werden, beispielsweise durch die Festlegung eines verbindlichen Mindestanteils von Gruppentherapie bei Neuzulassungen und Nachbesetzungen. Hier gibt es noch erhebliche Potenziale. Weitere Maßnahmen sind der Ausbau von Terminvermittlungsplattformen, höhere Sitzungsfrequenzen (mindestens alle 14 Tage), eine bessere Integration digitaler und hybrider Interventionen (etwa durch Videobehandlung und evidenzbasierte Online-Interventionen) und die Erhöhung der Behandlungskapazitäten durch eine Anpassung der Stundenkontingente orientiert an denen der Verhaltenstherapie.

Der vdek hat zur Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Versorgung ein Maßnahmenpaket mit acht konkreten Vorschlägen vorgelegt. Die Forderungen im Einzelnen finden Sie in unserem Kurzpapier.“

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