Ältere und Vorerkrankte besonders betroffen
Die Anzahl hitzebedingter Todesfälle in der Bevölkerung (2) hängt von einer Kombination verschiedener Faktoren ab: zum einen von der Intensität und Dauer von Hitzeperioden, der Größe besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen (z. B. Hochaltriger), aber auch davon, wie erfolgreich Hitzeschutzmaßnahmen umgesetzt werden konnten. Der größte Anteil hitzebedingter Todesfälle (75 %) entfällt auf die Altersgruppe ab 75 Jahren.
Ältere Menschen sind anfälliger für Hitzeschläge, Hitzekrämpfe und Hitzemüdigkeit. Sie können sich durch eine eingeschränkte Thermoregulation schlechter an Hitze anpassen. Zudem können ältere Menschen Hitze nicht mehr so gut wahrnehmen und haben ein verringertes Durstgefühl. Einige Medikamente, die ältere Menschen häufig einnehmen, können die Thermoregulation des Körpers beeinträchtigen oder die Sensitivität gegenüber Hitze erhöhen. Dazu gehören beispielsweise Diuretika und Betablocker. Im Zuge des demografischen Wandels ist bereits in naher Zukunft mit einem starken Wachstum der ältesten Bevölkerungsgruppen zu rechnen. Hierdurch steigt auch die Zahl der potenziell von hitzebedingter Sterblichkeit Betroffenen.
Neben älteren Menschen zählen auch Vorerkrankte (vor allem Betroffene von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Nierenerkrankungen, Übergewicht, Diabetes), Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder, Menschen, die im Freien schwer arbeiten oder intensiv Sport treiben, Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, sozial schlechtergestellte Personen und Obdachlose zu vulnerablen Bevölkerungsgruppen bei Hitzestress.
Hitze schränkt Produktivität und Wohlbefinden ein
Während Hitzeperioden wird das Gesundheitssystem durch eine erhöhte Krankheitslast verstärkt in Anspruch genommen. Es kommt zu vermehrten Krankenhauseinweisungen und Rettungsdiensteinsätzen. Auch werden erhöhte Frühgeburtsraten während Hitzewellen festgestellt. Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat gezeigt, dass Temperaturen über 35° C das relative Risiko einer Frühgeburt um bis zu 45 % steigern können.
Auch zeigt sich, dass Menschen in ihrer Produktivität und ihrem Wohlbefinden durch Hitze eingeschränkt sind. Eine aktuelle Umfrage der DAK belegt, dass 23 % der Beschäftigten sich bei Hitze stark belastet fühlten und 69 % eine Leistungseinschränkung angeben. 1,6 % gaben an, im vergangenen Sommer wegen gesundheitlicher Probleme aufgrund von Hitze krankgeschrieben worden zu sein. Dabei sind Pflegekräfte und Handwerker besonders betroffen. Die Ergebnisse zeigen, dass Hitzewellen bereits jetzt die Arbeitsbedingungen beeinflussen und sich auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten auswirken.
Unzureichendes Hitzeschutzwissen
Trotz dieser massiven Gesundheitsgefährdung sind Deutschland und das
deutsche Gesundheits- und Sozialwesen unzureichend auf Hitzeperioden vorbereitet. (3) Zugleich ist die Kompetenz in der Bevölkerung ungenügend, Hitzegefahren zu erkennen und sich und besonders gefährdete Menschen entsprechend zu schützen. So zeigte eine Studie zur Wahrnehmung gesundheitlicher Risiken während Hitzeperioden, dass sich ein Großteil der älteren Personen zwischen 72 und 94 Jahren selbst weder als „vulnerabel“ noch als „alt“ einschätzte, wenngleich dieselbe Gruppe das Alter durchaus mit größeren gesundheitlichen Risiken durch Hitzewellen in Verbindung brachte. Selbst wenn sie sich bewusst waren, dass bestimmte Krankheiten mit erhöhter Vulnerabilität bei Hitze einhergehen, sahen sie diesen Zusammenhang trotz vorliegender Erkrankung für andere, aber nicht für sich selbst. (4)
Auch die PACE-Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass das Hitzeschutzwissen innerhalb der Bevölkerung trotz der zahlreichen Medienangebote zum Thema oftmals nicht ausreichend ist. Insgesamt hatten rund 60 % der Befragten angegeben, von den medial bzw. in ihrem Umfeld verfügbaren Informationen zum Thema Hitze nicht erreicht worden zu sein.
Engagement des vdek zum Hitzeaktionstag 2026