GKV-Schätzerkreis prognostiziert Finanzentwicklung 2026/2027

Elsner: BStabG zeigt Wirkung. Stabilität steht aber auf wackligen Füßen

Der GKV-Schätzerkreis hat am 14. Oktober 2026 seine gemeinsame Prognose zur Finanzentwicklung 2026 und 2027 in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) veröffentlicht. Die Einnahmen des Gesundheitsfonds steigen im nächsten Jahr geschätzt auf 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Die Zuweisungen und damit die Gesamteinnahmen der Krankenkassen nehmen jedoch lediglich um 2,0 Prozent zu. Ursache dafür ist die zur Auffüllung der Mindestreserve des Gesundheitsfonds erforderliche Kürzung der Zuweisungen. Durch die Kopplung der Ausgabenentwicklung an die Einnahmen durch Regelungen des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG) wird der erwartete Ausgabenanstieg spürbar begrenzt. Die Ausgaben steigen geschätzt um 2,2 Prozent an und liegen damit unter der gesetzlich vorgegebenen Grundlohnrate. Insgesamt erhöhen sich die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung dennoch auf 378 Mrd. Euro. Demnach bleibt der festgelegte durchschnittliche Zusatzbeitragssatz der GKV mit 2,9 Prozent stabil.

Dazu erklärt Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek):

„Das BStabG wirkt. Die Beitragssätze in der GKV werden im kommenden Jahr weitgehend stabil bleiben. Das ist erst einmal eine gute Botschaft für die Versicherten und Arbeitgeber. Diese Stabilität steht aber auf wackligen Füßen, denn das Sparpaket ist knapp bemessen. Die Politik hat einigen Leistungsbereichen - Pharma, Krankenhäuser, Psychotherapeuten, Haus- und Kinderärzte - finanzielle Zugeständnisse gemacht, die nun durch andere Maßnahmen gegenfinanziert werden müssen. Ob diese Regelungen ausreichen, um die finanziellen Lücken wieder zu schließen, bleibt fraglich. Dies gilt insbesondere für den angekündigten Pharmabonus zur Standortklausel, der zusätzliche Ausgaben von bis zu 1,3 Mrd. Euro verursachen könnte. Wie diese Mehrbelastung gegenfinanziert werden soll, ist weiterhin offen. Zudem sind einige Krankenkassen gefordert, ihre Rücklagen im Jahr 2027 weiter aufzufüllen, sodass es dadurch zu kassenindividuellen Beitragssatzanhebungen kommen kann.

Neben dem BStabG brauchen wir daher rasch tiefgreifende und mutige Strukturreformen. Gut ist, dass die Notfallreform nun endlich im Bundestag verabschiedet werden soll. Auch die Einführung eines Primärversorgungssystems ist eine zentrale Stellschraube, um die Versorgung nachhaltig zu verbessern und effizienter zu gestalten. Von der wissenschaftlichen Finanzkommission Gesundheit erwarten wir zudem weitere konstruktive Vorschläge, die eine bedarfsgerechte und stärker am Patientennutzen orientierte Versorgung ermöglichen, Effizienzreserven heben und zugleich finanzielle Stabilität langfristig sichern.”

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