Einwurf

Pflege: Transparenz tut gut – aber es reicht noch nicht

Seit 2008 werden alle rund 11.000 Pflegeheime und 13.000 ambulante Pflegedienste in Deutschland einmal jährlich vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) geprüft. Das Ergebnis in Form von Pflegenoten wird anschließend von den Pflegekassen im Internet veröffentlicht. Sie sind zum Beispiel im vdek-Pflegelotsen unter www.pflegelotse.de abzurufen.

Als der MDK im Oktober 2009 die ersten Ergebnisse seiner Qualitätsprüfung in Pflegeheimen nach dem neuen Notensystem veröffentlichte, war die Aufregung groß. Die MDK-Prüfer hatten einiges zu bemängeln an der Pflege. Vor allem die Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung und der Umgang mit Demenzkranken ließ in manchen Pflegeheimen zu wünschen übrig. Dass die Noten anschließend im Internet veröffentlicht werden sollten, gefiel den betroffenen Pflegeeinrichtungen gar nicht. Manche versuchten die Veröffentlichung über den Klageweg zu verhindern. Bis heute werden daher etwa zwei Prozent der Einrichtungen ohne eine Benotung im Internet dargestellt.

Dass die neue Transparenz der Pflegequalität insgesamt sehr gut tut, belegt der 3. Pflege- Qualitätsbericht, den der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS) auf Basis von Daten aus den Jahren Juli 2009 bis Dezember 2010 veröffentlicht hat. Die Qualitätsprüfer des MDK untersuchten den Pflegezustand von rund 62.000 Pflegeheimbewohnern sowie von rund 45.000 Pflegebedürftigen, die von ambulanten Pflegediensten betreut wurden. Das erfreuliche Ergebnis: Die Qualität der Pflege hat sich verbessert. Vor allem bei der Ernährungs- und Flüssigkeitsaufnahme und beim Umgang mit Demenzkranken gab es Verbesserungen gegenüber dem Bericht von 2007. Motiviert durch die Qualitätsprüfungen, durch größere Transparenz und Benotung haben die Pflegeeinrichtungen ihr Qualitätsmanagement und die Arbeitsabläufe offensichtlich nachhaltig verbessert.

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Pflege darf keine Blackbox sein!

Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des vdek

Doch auch wenn nur eine Minderheit der Einrichtungen Versorgungsdefizite aufweist, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer noch 20 bis 40 Prozent der Pflegebedürftigen nicht entsprechend dem anerkannten Standard einer guten Pflege versorgt werden. Bei knapp der Hälfte (46 Prozent) der in die Untersuchung einbezogenen Heimbewohner bestand das Risiko, ein Druckgeschwür zu bekommen (Dekubitusrisiko). Zu verbessern ist auch die Versorgung von Schmerzpatienten und der Umgang mit Medikamenten.

Transparenz der Pflegequalität ist und bleibt also wichtig. Nur wenn Qualität transparent für den Verbraucher ist, kann dieser sich qualitätsbewusst entscheiden. Pflegenoten machen die Pflegequalität für Laien verständlich und vergleichbar. Sie sind deshalb wichtig und nicht mehr wegzudiskutieren. Das Benotungssystem muss unzweifelhaft weiterentwickelt werden, keinesfalls sollte es aber wie manchmal gefordert abgeschafft werden. Pflege darf keine Blackbox sein!

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