Zertifizierte Präventionskurse der gesetzlichen Krankenkassen stehen allen Versicherten offen. Mit einer neuen Plattform, fachlicher Beratung und der stärkeren Nutzung der ärztlichen Präventionsempfehlung sollen künftig noch mehr Menschen von den nachweislich wirksamen Angeboten profitieren.
Präventionsangebote tragen erwiesenermaßen dazu bei, gesundheitliche Beschwerden frühzeitig zu vermeiden oder zu reduzieren. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur körperlichen und psychischen Gesundheit. Damit Versicherte auf qualitativ hochwertige und wirksame Angebote vertrauen können, übernimmt die Zentrale Prüfstelle Prävention seit 2014 im Auftrag aller gesetzlichen Krankenkassen die bundesweit einheitliche Qualitätssicherung der Präventionsangebote nach § 20 SGB V. Grundlage dafür ist der Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbands, der kontinuierlich mit wissenschaftlicher Expertise weiterentwickelt wird. Geprüft werden Präventionskurse in Präsenz und als Onlineformat sowie die Qualifikationen der Kursleitungen. Erfüllen die Angebote die festgelegten Qualitätsanforderungen des Leitfadens Prävention, erhalten sie das Siegel „Deutscher Standard Prävention“ und können von den Krankenkassen (anteilig) erstattet werden. Die Kursangebote müssen nach drei Jahren erneut geprüft werden, die Kursleitungen bleiben dauerhaft anerkannt. Jährlich werden über 100.000 Anträge geprüft.
Die Bandbreite an zertifizierten und selektierbaren Kursangeboten sowie anerkannten Kursleitungen ist seit Jahren groß und hat sich fortlaufend erweitert. Aktuell stehen den Versicherten über 120.000 Präventionsangebote (mehrheitlich Präsenzangebote) in den Handlungsfeldern Bewegungsgewohnheiten, Ernährung, Stress- und Ressourcenmanagement sowie Sucht zur Verfügung. Am stärksten vertreten ist der Bewegungsbereich mit rund 65.000 Angeboten, gefolgt von Stress- und Ressourcenmanagement (etwa 40.000 Angebote). Neben allgemeinen Bewegungskursen umfasst das Angebotsspektrum auch spezielle Verfahren wie Aquagymnastik, Nordic Walking und Pilates sowie Beckenbodentrainings zur Stärkung der Frauengesundheit. Positiv ist auch die Gesamtreichweite der Angebote mit jährlich gut 1,9 Millionen teilnehmenden Versicherten – Tendenz steigend.
Die Wirksamkeit der Maßnahmen ist im wissenschaftlichen Umfeld vielfach nachgewiesen. Bestätigt wurden die positiven Effekte erneut durch eine umfangreiche Evaluation des GKV-Spitzenverbands anhand der Bewegungskurse (Präsenzangebote). Bei den Teilnehmenden wurden nicht nur Beschwerden und Schmerzen signifikant reduziert, sondern auch nachhaltig mehr Bewegung und eine Stärkung der psychischen Gesundheit erreicht.
Damit diese wirksamen Angebote möglichst viele Menschen erreichen, ist ein einfacher Zugang zu diesen von besonderer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wurde im Sommer 2026 die neue Website praevention-direkt-finden.de im Namen aller Krankenkassen veröffentlicht, aktiv begleitet durch die Bundesärztekammer. Die Plattform bietet einen zentralen und niedrigschwelligen Zugang zu zertifizierten Präventionskursen und unterstützt damit insbesondere Fachkräfte im Gesundheitsbereich bei der Suche nach passenden Angeboten.
Besonders unterstützend ist das digitale Tool für Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Beratungsstellen direkt im Praxisalltag und bei der Beratung ihrer Patientinnen und Patienten. Durch den regelmäßigen Kontakt können sie Präventionsbedarfe frühzeitig erkennen und auf geeignete Angebote aufmerksam machen. Die einfach selektierbaren Angebote sind für Anfängerinnen und Anfänger geeignet, alltagsnah und werden mit Titel, Inhalt und Zielsetzung übersichtlich dargestellt. Sie lassen sich über Filter gezielt eingrenzen, etwa nach Onlineoder Präsenzkursen vor Ort, nach Angeboten für Kinder und Jugendliche sowie für ältere Menschen. Zahlreiche Ergebnisse aus Einzelstudien deuten darauf hin, dass Präventionsangebote verbindlicher genutzt werden, wenn Fachpersonen die Maßnahmen empfehlen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die persönliche Empfehlung durch Gesundheitsfachkräfte. Zusätzliche Impulse kann die ärztliche Präventionsempfehlung (Muster 36) geben. Dieses Instrument wird bislang selten eingesetzt, bietet jedoch großes Potenzial, die Inanspruchnahme wirksamer Präventionsangebote weiter zu erhöhen.
Zahlreiche Ergebnisse aus Einzelstudien deuten darauf hin, dass Präventionsangebote verbindlicher genutzt werden, wenn Fachpersonen die Maßnahmen empfehlen.
Zugleich entwickeln sich die Angebote kontinuierlich weiter und orientieren sich immer stärker an den unterschiedlichen Lebenslagen der Versicherten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnen beispielsweise Kurse zur Sturz-, Arthrose- und Osteoporoseprävention sowie Angebote wie etwa solche zur Resilienz von pflegenden Angehörigen an Bedeutung. Onlineformate ermög lichen zudem eine flexible Teilnahme im Alltag und erreichen verstärkt auch Männer und jüngere Personen. Darüber hinaus greifen sie aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen auf, etwa die Förderung sozialer Teilhabe und die Vermeidung von Einsamkeit.
Die Kombination aus qualitätsgesicherten Präventionsangeboten, wissenschaftlich nachgewiesener Wirksamkeit und einem einfachen digitalen Zugang schafft gute Voraussetzungen, um noch mehr Menschen für Prävention zu gewinnen. Damit kann Prävention ihre Wirkung dort entfalten, wo sie den größten Nutzen bringt: im Alltag der Versicherten.
Weitere Artikel aus ersatzkasse magazin. (4. Ausgabe 2026)
-
Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG)Neue Perspektiven für die Datennutzung im Gesundheitswesen