In der Zeitschrift PharmacoEconomics erschien Ende April 2026 eine Studie zu Arzneimittelpreisen, die von Vertretern von sechs Mitgliedern der Association Internationale de la Mutualité (AIM) durchgeführt wurde. Darin wurden die Preise für zehn verschiedene innovative Arzneimittel zur Behandlung von Krebs, seltenen Krankheiten und chronischen Erkrankungen mithilfe des FairPricingRechners der AIM verglichen. Die Analyse zeigt: Europa könnte bis zu 27 Milliarden Euro einsparen, wenn es den FairPricingRechner nutzt.
Das Fair-Pricing-Modell der AIM wurde 2019 entwickelt, um einen Preis zu berechnen, der für Gesundheitssysteme und Patienten erschwinglich ist und gleichzeitig den Pharmaunternehmen ausreichende Anreize bietet, in Innovation und Produktion zu investieren. Es berücksichtigt Kosten für Forschung und Entwicklung (F&E), Produktionskosten, Vertriebs- und medizinische Informationskosten, einen angemessenen Gewinn sowie, sofern gerechtfertigt, einen Innovationsbonus, der an den therapeutischen Mehrwert gekoppelt ist.
Mit seiner Arbeit zur fairen Preisgestaltung für Arzneimittel möchte die AIM zur Erschwinglichkeit von Arzneimitteln in der Diskussion um die Überarbeitung der europäischen Pharmaregulierung beitragen. Überhöhte Arzneimittelpreise setzen das solidarische Gesundheitssystem unter Druck, schwächen die Verhandlungsmacht der öffentlichen Hand und könnten den Zugang zu Behandlungen einschränken. Weltweit werden Gesundheitsbudgets eingeschränkt. Eine Überbezahlung von Arzneimitteln bedeutet daher weniger Ressourcen für Patienten, Prävention, Pflegepersonal und die Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme. Ein neuer Ansatz ist erforderlich, insbesondere auch hinsichtlich der Kostentreiber für die Budgets der Krankenkassen.
Was sind die Ergebnisse der Studie?
Die Analyse zeigte, dass faire Preise bis zu 97 Prozent unter den Listenpreisen lagen und im Durchschnitt 53 Prozent niedriger waren ( t1p.de/asqr1). Unter Berücksichtigung vertraulicher Rabatte lagen die fairen Preise im Durchschnitt 33 Prozent unter den Nettopreisen. Die Anwendung fairer Preise auf die zehn ausgewählten Arzneimittel führte in den sechs teilnehmenden Ländern zu einer gewichteten durchschnittlichen Reduzierung der Bruttoausgaben um 77 Prozent und der Nettoausgaben um 73 Prozent. Auf europäischer Ebene hochgerechnet entspricht dies potenziellen jährlichen Nettoeinsparungen von 27 Milliarden Euro für neue Arzneimittel.
Mehr Transparenz und Fairness
Faire Preisgestaltung ist keine Bedrohung für Innovation. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Innovation glaubwürdig, zugänglich und mit dem öffentlichen Interesse vereinbar bleibt. Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass die Preise für Arzneimittel von den tatsächlichen Kosten für die Markteinführung eines Medikaments und vom therapeutischen Nutzen für die Patienten losgelöst sind.
Diese Ergebnisse stimmen mit einer früheren Studie der TK in Deutschland überein, die potenzielle Einsparungen für Deutschland von über 13 Milliarden Euro auswies. Eine weitere Studie aus Belgien ergab, dass für Belgien 1 Milliarde Euro eingespart werden könnte (bei F&E-Kosten von 250 Millionen Euro). Derzeit unterstützt das Modell Preisverhandlungen niederländischer Krankenkassen und wird in das von der Europäischen Union finanzierte Horizon Europe Projekt ASCERTAIN integriert. Insgesamt bietet es einen nützlichen Rahmen sowohl für innovative als auch für umgewidmete Arzneimittel und verbessert die Transparenz und Fairness bei der Preisgestaltung. Die derzeit für neue Arzneimittel gezahlten Preise sind durch die zugrunde liegenden Forschungskosten oder ihren therapeutischen Wert nicht gerechtfertigt. Die Anwendung dieses Modells kann erhebliche Einsparungen für die europäischen Gesundheitssysteme generieren.
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