Volle Wartezimmer, lange Wege und wenig Zeit mit den Behandlern prägen die ambulante Versorgung. Hinzu kommt der demografische Wandel, der den Versorgungsbedarf, insbesondere bei älteren und chronisch kranken Menschen, weiter ansteigen lässt. Um die Gesundheitsversorgung zukunftsfest zu machen, braucht es neue Strukturen und Formen der Zusammenarbeit in den Arztpraxen.
Delegation kann die ambulante Versorgung stärken. Ein wichtiger Ansatz dabei ist der Einsatz von Physician Assistants (PA) in Arztpraxen, den die Ersatzkassen mit dem Projekt der Regionalen Gesundheitspartner seit Mai 2024 erproben. Bei PAs handelt es sich um akademisch ausgebildete medizinische Fachkräfte, die eng mit Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeiten und delegierbare ärztliche Aufgaben übernehmen können. Bislang werden PAs vornehmlich in Krankenhäusern eingesetzt, obwohl sie das Potenzial haben, auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte spürbar zu entlasten und den Prozess der Ambulantisierung zu unterstützen. Im Rahmen der Delegation und unter ärztlicher Verantwortung können PAs unter anderem vorbereitende Anamnesen durchführen, Infektsprechstunden übernehmen oder Vorsorgeuntersuchungen betreuen.
Um Versicherten unabhängig von ihrem Wohnort einen schnellen Zugang zu Haus- und Fachärzten zu ermöglichen, setzen sich die Ersatzkassen und die Deutsche Gesellschaft für Physician Assistants e. V. (DGPA e. V.) dafür ein, PAs als festen Bestandteil in der ambulanten Versorgung zu etablieren. Voraussetzung dafür sind bundesweit einheitliche Standards im Studiengang Physician Assistance (B. Sc.). Die Zugangsvoraussetzungen sowie Studien- und Prüfungsinhalte im Studiengang Physician Assistance unterscheiden sich aktuell abhängig von der jeweiligen Hochschule. Einheitliche Rahmenbedingungen stärken das Vertrauen in das Berufsbild, sowohl bei Ärztinnen und Ärzten als auch bei Patientinnen und Patienten. Für eine praxisnahe Ausbildung sollte der Studiengang neben einem verpflichtenden Hochschul- auch einen Praxisanteil in der hausärztlichen Versorgung vorsehen. Damit die Kenntnisse auf dem aktuellen medizinischen Stand bleiben, braucht es darüber hinaus bundesweit einheitliche Fortbildungsangebote.
Um das Potenzial von PAs im Versorgungsprozess bestmöglich einzusetzen und Haftungsrisiken für Ärztinnen und Ärzte so weit wie möglich auszuschließen, sollten zulässige delegierbare Aufgaben festgelegt werden, die den besonderen Kenntnissen von PAs entsprechen und auf Basis von Fortbildungen erweitert werden können. Damit PAs außerhalb von Modellprojekten dauerhaft zur Sicherung der ambulanten Versorgung beitragen können, braucht es zudem sachgerechte Vergütungsregelungen. Vor allem in Regionen mit einem geringen Versorgungsgrad können PAs dazu beitragen, den Zugang zur medizinischen Betreuung zu verbessern. Moderne Delegationskonzepte bedeuten dabei keinen Ersatz für Ärztinnen und Ärzte, sondern eine sinnvolle Ergänzung für mehr Zeit, bessere Erreichbarkeit und eine weiterhin hohe Versorgungsqualität.
„Die ambulante Versorgung steht vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Physician Assistants können Ärztinnen und Ärzte gezielt bei ärztlich delegierbaren Tätigkeiten unterstützen und gleichzeitig dazu beitragen, die Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten zu sichern. Entscheidend ist jetzt, die rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen so weiterzuentwickeln, dass diese interprofessionelle Zusammenarbeit ihr volles Potenzial entfalten kann.“
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