Wie funktionieren die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung? Warum betreffen die Themen Gesundheit und Rente auch junge Menschen? Und wie können Versicherte selbst mitbestimmen? Mit diesen Fragen haben sich Berufsschülerinnen und Berufsschüler am 29. Juni 2026 im Rahmen der Zukunftswerkstatt „MITeinander REDEN!“ auf dem EUREF-Campus Berlin gemeinsam mit ehrenamtlichen
Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern beschäftigt.
Mitreden! Bei Rente und Gesundheit – unter diesem Claim haben die Ersatzkassen und der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) im Mai 2025 gemeinsam mit der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) eine neue Informationsinitiative zur Sozialen Selbstverwaltung ins Leben gerufen. Sie soll eine kommunikative Brücke zwischen den alle sechs Jahre stattfindenden Sozialwahlen schlagen. Ziel ist es, die Soziale Selbstverwaltung in der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung bekannter zu machen sowie zu erklären, welche Aufgaben die in den Sozialwahlen gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Versicherten und Arbeitgeber bei Rente und Gesundheit übernehmen und warum diese Form der demokratischen Mitbestimmung so wichtig ist. Einer der Schwerpunkte der Informationsinitiative liegt dabei auf der Ansprache der jungen Generation, um sie frühzeitig für die wichtigen Themen zu sensibilisieren und ihr Interesse an einer Teilnahme an den Sozialwahlen zu fördern. Es entstanden verschiedene Kommunikationsformate, darunter ein neues Logo, eine Website, Social-Media-Kanäle auf Instagram und Facebook, Podcast-Kooperationen sowie ein Newsletter.
Diskussion um Mitbestimmung und Teilhabe (v. l.): Maren Teichmann (KKH), Maya-Louisa Brandt, Alexander Gade (beide OSZ Ästhetik und Technik), Dr. Anne Thomas (TK), Rüdiger Herrmann (DRV Bund), Gerd Brück (OSZ Ästhetik und Technik) und Hans-Christoph Keller (DRV Bund)
Direkter Dialog und Austausch
Mit der Zukunftswerkstatt „MITeinander REDEN!“ wurde in diesem Jahr erstmals ein direktes Beteiligungsformat mit Blick auf die junge Generation entwickelt. Ziel des Projekts für 2026 ist es, Berufsschülerinnen und Berufsschüler mit ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern der SozialenSelbstverwaltung in einen direkten Dialog zu bringen. Auf dem EUREF-Campus in Berlin diskutierten die Schülerinnen und Schüler aus Berlin und Brandenburg Ende Juni über Fragen, die sie unmittelbar betreffen: Warum ist die Krankenversicherung weit mehr als nur ein Thema für ältere Menschen? Was bedeutet die gesetzliche Rentenversicherung für mich? Und wie kann jede und jeder Einzelne von uns die Sozialversicherung demokratisch mitgestalten?
Bereits im Vorfeld der Zukunftswerkstatt besuchten Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter mehrere Berufsschulen in Berlin und Potsdam und sprachen mit den Schülerinnen und Schülern über zentrale Zukunftsfragen rund um Rente, Gesundheit und Mitbestimmung. Anschließend entwickelten die Schülerinnen und Schüler des Oberstufenzentrums II Potsdam (Brandenburg) und des Oberstufenzentrums Ästhetik und Technik (Berlin) daraus in einer Projektphase gemeinsam mit den Lehrkräften eigene Positionen und Lösungsansätze und präsentierten diese auf der Zukunftswerkstatt in Form von Podcasts, Plakaten oder Onepagern. In der lebendigen Diskussion mit den Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern wurde deutlich, dass junge Menschen großes Interesse entwickeln, wenn politische und gesellschaftliche Themen konkret und lebensnah vermittelt werden. Sie kommen bereits während ihrer Ausbildung, im Studium, bei Nebenjobs oder im Krankheitsfall mit den Leistungen der Sozialversicherung in Berührung.
Demokratiebildung vorantreiben
Auch die stellvertretende Bundeswahlbeauftragte für die Sozialversicherungswahlen, Doris Barnett, unterstrich auf der Veranstaltung die Bedeutung moderner Beteiligungsformen. Die Zukunftswerkstatt sieht sie als einen weiteren gelungenen Anstoß, dieses Ziel voranzubringen. Gemeinsam mit dem Bundeswahlbeauftragten Peter Weiß und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), dem Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V. (BvLB) sowie mit wissenschaftlicher Expertise aus der Wirtschaftspädagogik führt sie derzeit Gespräche, um das Thema Demokratiebildung und die Einbindung von Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern in Berufsschulen voranzubringen. Ziel ist es, politische Bildung mit konkreten Erfahrungen aus der Sozialen Selbstverwaltung zu verbinden und jungen Menschen praxisnah zu vermitteln, wie demokratische Mitgestaltung im Alltag funktioniert. Gleichzeitig hob Barnett die Bedeutung zukünftiger Online-Sozialwahlen zur Modernisierung der Sozialwahlen hervor. Die nächste Sozialwahl wird 2029 stattfinden.