Ersatzkassen

Bedürfnisse der Versicherten im Blick

Eine Physiotherapeutin führt Übungen mit einem Patienten durch

Die Möglichkeit, individuelle Vertragsbedingungen mit Leistungserbringern auszuhandeln, nehmen auch die Ersatzkassen in Anspruch. So können sie zugunsten ihrer Versicherten flexibel auf Krankheitsbilder und Anforderungen an die gesundheitliche Versorgung eingehen. Nachfolgend eine Auswahl an Selektivverträgen.

Direktverträge sind oftmals auf bestimmte Erkrankungen und deren Therapien ausgerichtet. Beispielsweise fokussiert sich ein Selektivvertrag der BARMER GEK auf die Behandlung von Rückenschmerzen. Hier arbeiten Fachärzte und Therapeuten in regionalen Netzwerken Hand in Hand, sodass einzelne Behandlungsschritte nahtlos aneinander anschließen. Dabei wurde das Behandlungskonzept speziell für die Therapie von chronischen oder immer wiederkehrenden Rückenbeschwerden entwickelt. Ebenso richtet die DAK-Gesundheit einen Selektivvertrag auf Rückenleiden aus. Gemeinsam mit dem Rückennetz Berlin-Brandenburg bietet sie ein interdisziplinäres Behandlungskonzept an, das sich insbesondere durch eine bis zu vierstündige Diagnostik unter Beteiligung eines Facharztes, eines Psycho- sowie Physiotherapeuten auszeichnet. Ein weiterer wesentlicher Baustein des Angebots sind vierwöchige Therapieprogramme, sie sich auf mindestens 100 interdisziplinäre Stunden erstrecken.

Die Techniker Krankenkasse (TK) ermöglicht Frauen, die unter Myomen leiden, eine schmerzfreie, ambulante und nicht-operative Entfernung dieser Wucherungen, die in der Muskelschicht der Gebärmutter auftreten. Mithilfe eines Magnet-Resonanz- Tomografie gesteuerten Ultraschalls (MRgFUS) wird das Myom so lange erhitzt, bis es eingeschmolzen und zerstört ist, wobei die Gebärmutter vollständig erhalten bleibt.

Ambulant und schmerzfrei – darauf setzt auch die DAK-Gesundheit mit ihrem Angebot einer radiochirurgischen Behandlung durch das Gamma Knife Zentrum Krefeld. Die Praxis verfügt über eine der modernsten Anlagen dieser Art weltweit. In dem Gamma Knife Zentrum Krefeld werden Tumore und Gefäßveränderungen radiochirurgisch mit dem Gamma Knife (Kopfbereich) oder mit dem Linearbeschleuniger Linac (Rumpfbereich) bestrahlt. Mit der Technik können Tumore auf den Zehntel Millimeter genau bestrahlt werden, wobei das kranke Gewebe vollständig ausgeschaltet wird, ohne gesunde Strukturen zu schädigen.

Chronische Kopfschmerzen und Migräne stehen im Fokus eines Selektivvertrags der Kaufmännischen Krankenkasse – KKH. Um hier die Situation für Betroffene zu verbessern, hat sie mit dem Westdeutschen Kopfschmerzzentrum in Essen einen stärker vernetzten Ansatz aus stationärer Anbindung und regional niedergelassener fachärztlicher Versorgung gewählt. Ziel ist die Etablierung eines einheitlichen Therapiekonzepts auf allen Versorgungsebenen.

Ein weiterer Direktvertrag der KKH stellt die Vermeidung eines Schlaganfalls sowie die Früherkennung des Vorhofflimmerns in den Fokus. Mit der apoplex medical technologies GmbH, Hausärzten und Kardiologen hat sie ein Versorgungskonzept für ihre Versicherten ab 50 Jahren mit mindestens einem kardiovaskulären Risikofaktor erarbeitet. Dieses bildet den Prozess von der Früherkennung über die weitere Diagnostik bis hin zur Einleitung einer leitliniengerechten Therapie ab.

Auch die TK nimmt das Thema Schlaganfall in den Blick. So zielt ein Selektivvertrag der Kasse auf die Behandlung von Versicherten, die einen Schlaganfall erlitten haben bzw. Patienten mit schwersten neurologischen Einschränkungen. Sie können, sofern deren bisherige Reha-Maßnahmen erfolglos blieben, am ambulanten Therapiezentrum „Ambulanticum“ in Herdecke behandelt werden, wo insbesondere eine robotik- und gerätgestützte Therapie sowie Mess- und Testsysteme die individuellen Fortschritte und Behandlungen steuern.

Einige Selektivverträge beschäftigen sich konkret mit der Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Die BARMER GEK etwa bietet die Möglichkeit, vergrößerte Gaumenmandeln mit einem minimalinvasiven und schonenden Verfahren, der Tonsillotomie, zu verkleinern. Für die meisten davon betroffenen Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren kommt diese sanfte Operationsmethode infrage. Außerdem hat sie ein Kinder- und Jugend-Programm aufgelegt, das die Betreuung durch den Kinderund Jugendarzt sowie die Früherkennung und Gesundheitsförderung durch mehr Qualität, erweiterte Serviceleistung und bessere Koordination verbessert. Apropos Koordination: Für ihre Versicherten aller Altersstufen bietet die BARMER GEK in bestimmten Regionen Versorgungsnetze an, in denen zum Beispiel ein Betreuungsarzt den gesamten Behandlungsablauf optimiert und die Arzneimitteltherapie bestmöglich koordiniert.

Nicht zuletzt spielen auch ärztliche Zweitmeinungen eine Rolle. So können TK-Versicherte, bei denen in der nächsten Zeit ein operativer Eingriff an der Wirbelsäule geplant ist, bei ausgesuchten Spezialisten eine zweite Meinung einholen. BARMER GEK-Versicherten steht diese Möglichkeit des Zweitmeinungsverfahrens offen, wenn eine Operation an der Wirbelsäule ansteht.

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