DAK-Präventionsradar

Schlafmangel bei Schülern

Illustration: Schlafmangel bei Schülern

Fast jeder dritte Schüler leidet unter Schlafstörungen. Die Hälfte der Schüler fühlt sich tagsüber erschöpft und klagt über Müdigkeit. An Schulen ist der Bedarf an gesundheitsfördernden Angeboten groß. Das zeigt der aktuelle Präventionsradar 2018 der DAK-Gesundheit. Der Schlafmangel steht in Zusammenhang mit stark erhöhten Bildschirmzeiten der Schüler. Viele sitzen mehr als vier Stunden täglich vor Fernseher, Smartphone oder Tablet. 

Der Präventionsradar untersucht das körperliche und psychische Wohlbefinden sowie das Gesundheitsverhalten von Schülern zwischen zehn und 18 Jahren. Die aktuelle Schulstudie wurde gemeinsam mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in sechs Bundesländern durchgeführt. Das IFT-Nord hat dafür fast 9.300 Schüler aus mehr als 500 Klassen der Jahrgangsstufen fünf bis zehn repräsentativ befragt. Auch weitere Gesundheitsthemen wie Bewegung und Ernährung standen im Fokus der Analyse. Die Studie kombiniert Längs- mit Querschnittserhebungen, um auch längerfristige Entwicklungen aufzuzeigen. Für die DAK-Gesundheit ist der Präventionsradar ein wichtiges Analysewerkzeug, um die Lebensgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen zu erforschen und die Basis für altersgerechte Präventionsangebote zu schaffen. 

Schlafstörungen und Stress 

Der Präventionsradar zeigt, dass Mädchen besonders von Schlafstörungen betroffen sind. Während jedes dritte Mädchen mindestens einmal pro Woche Schlafprobleme hat, ist es bei Jungen nur jeder vierte. Schlafmangel steht in einem engen Zusammenhang mit dem Stressempfinden der Schüler: Je weniger Schlaf die Befragten bekommen, desto mehr fühlen sie sich gestresst. Von den Mädchen gibt fast die Hälfte an, oft oder sehr oft unter Stress zu leiden. Von den Jungen ist ein Drittel betroffen. Die empfundene Stresshäufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Unter den jüngeren Schülern fühlen sich nur fünf Prozent sehr oft gestresst, unter den älteren sind es 14 Prozent. Erhöhtes Stressempfinden geht mit häufigen Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen einher. Auch Niedergeschlagenheit kann sich verstärken. Etwa ein Sechstel der Befragten fühlt sich oft oder sehr oft unglücklich. Insbesondere Mädchen (23 Prozent) machen Angaben, die auf depressive Symptome hinweisen. 

Smartphones rauben Schülern den Schlaf 

Eine Erklärung für die verkürzte Schlafdauer der Schüler ist die zunehmende Nutzung von Bildschirmgeräten. Der DAK-Präventionsradar zeigt: Je mehr Zeit Jungen und Mädchen vor Bildschirmen verbringen, desto weniger schlafen sie. Smartphone und andere Geräte sind schon bei Schülern der fünften Klasse beliebt. Die Mehrheit der Kinder (56 Prozent) gibt an, bis zu einer Stunde am Tag vor dem Bildschirm zu verbringen. Neunt- und Zehntklässler kommen leicht auf das Dreifache: Gut ein Viertel der älteren Schüler spricht von mehr als vier Bildschirm-Stunden pro Tag. Das ist ihre Selbstwahrnehmung. Die Zeit, die sie tatsächlich mit Tablet, Computer, Handy und Fernseher zusammengerechnet verbringen, dürfte darüber liegen. „Die Smartphones rauben den Schülern den Schlaf“, betont Studienleiter Prof. Dr. Reiner Hanewinkel vom IFT Nord. „Unser Präventionsradar belegt eindeutig den Zusammenhang von Schlafmangel und langen Bildschirmzeiten. Um Gesundheitsproblemen vorzubeugen, brauchen wir wirksame Programme für einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien.“ 

Beim Thema Bewegung zeigt der Präventionsradar, dass nur ein Drittel der Schüler ausreichend körperlich aktiv ist. Nach den nationalen Bewegungsempfehlungen sollen Kinder und Jugendliche sich täglich mindestens 90 Minuten bewegen, wovon 60 Minuten das Zurücklegen von Wegen per Rad- oder Tretroller sein können. Bei den Schülern der Klassen fünf und sechs sind Rad- und Tretrollerfahrten zwar noch verhältnismäßig beliebt. Ein Drittel fährt nach eigenen Angaben bis zu 60 Minuten pro Tag. Aber bei den Neunt- und Zehntklässlern lässt das Interesse nach. Nur noch ein Fünftel der Älteren fährt längere Strecken mit dem Rad. 

Fastfood statt Gemüse 

Süße Snacks sind bei Schülern angesagt. Sie werden von 38 Prozent der Befragten täglich verzehrt. Auch Fast Food steht vergleichsweise oft auf dem Speiseplan der Kinder und Jugendlichen. Fast ein Viertel konsumiert mehrmals pro Woche oder öfter Burger, Pommes oder Pizza. Wer regelmäßig gemeinsam mit der Familie isst, ernährt sich laut der Studie gesünder: Die Schüler verzehren regelmäßiger Obst und Gemüse, greifen seltener zu Fast Food und sind seltener übergewichtig. 

Der Präventionsradar macht deutlich: Um Gesundheitsrisiken zu reduzieren, werden dringend Trainings für einen bewussteren Umgang mit Medien gebraucht, sowie Programme für bewusstere Ernährung und mehr Bewegung. Die DAK-Gesundheit hat sich das Thema Internetsucht und Medienkompetenz auf die Fahnen geschrieben. Sie finanziert im Rahmen einer Aufklärungskampagne Broschüren, die Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte gezielt über das Thema Internet- und Computersucht informieren. Herausgegeben werden die Hefte mit ausführlichen Hintergrundinformationen, Beispielen und einem Selbsttest vom Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zudem macht sich die Krankenkasse mit der Schulkampagne „fit4future“ für mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Stressbewältigung an 2.000 Grund- und Förderschulen stark. Das Programm gemeinsam mit der Cleven-Stiftung erreicht aktuell 600.000 Schüler bundesweit und wird in diesem Jahr auf weiterführende Schulen ausgeweitet. Ab 2020 soll es zudem an Kitas starten. Unterstützt wird die Präventionskampagne unter anderem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). 

Mit den Ergebnissen des neuen Präventionsradars möchte die Krankenkasse noch stärker in den politischen Dialog eintreten und für eine aktive Gesundheitsförderung in den Schulen werben.

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