BARMER-Arzneimittelreport

Viele Ältere ohne ausreichenden Grippeschutz

Zu wenige ältere Menschen in Deutschland sind gegen Grippe geimpft. Daten des aktuellen Arzneimittelreports der BARMER zeigen besonders bei den Menschen ab 60 Jahren gravierende Lücken auf. Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Ziel einer Impfquote von 75 Prozent wird klar verfehlt. Besonders bei Risikogruppen bleibt der Impfschutz zu gering.

Zahlen aus dem Jahr 2023 zeigen, dass nicht einmal jede zweite bei der BARMER versicherte Person ab 60 Jahren gegen die echte Grippe (auch Influenza genannt) geimpft war. Mit einer Quote von 40,8 Prozent bleibt Deutschland somit hinter den internationalen Empfehlungen zurück. Das geht aus dem aktuellen Arzneimittelreport der BARMER hervor. Die WHO hält eine Impfquote von 75 Prozent in dieser Altersgruppe für sinnvoll.

Risiko für Komplikationen steigt mit dem Alter

Gerade für ältere Menschen kann eine Influenza- Infektion ernsthafte Folgen haben. Während jüngere Personen häufig nur einige Tage krank sind, steigt mit zunehmendem Alter das Risiko für Komplikationen deutlich. Dazu zählen etwa Lungenentzündungen oder eine Verschlechterung bestehender Erkrankungen.

Besonders kritisch ist die Situation bei Menschen mit Vorerkrankungen. Die Auswertung zeigt, dass viele Personen mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko nicht geimpft sind. Dazu gehören etwa Pflegebedürftige oder Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben. Obwohl die Impfung gerade für diese Personengruppe empfohlen wird, bleibt ein großer Teil von ihnen ohne Schutz. Dies ist umso bedenklicher, da eine Influenza schlimmstenfalls tödliche Folgen haben kann.

Wie aus dem BARMER-Arzneimittelreport weiter hervorgeht, wird das WHO-Ziel einer Influenza-Impfquote von 75 Prozent auch bei Pflegebedürftigen ab 60 Jahren deutlich verfehlt: Von den Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen waren zuletzt 48,9 Prozent geimpft und beiden häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent. Ambulant und stationär Pflegebedürftige ab 70 Jahren wurden sogar seltener gegen Influenza geimpft als Versicherte in dieser Altersgruppe ohne Pflegeleistungen.

Die Impfquoten unterscheiden sich zudem deutlich zwischen den Altersgruppen. Bei den 60- bis 69-Jährigen ist die Impfquote besonders gering. In dieser Gruppe lässt sich nur etwa ein Drittel immunisieren. Bei älteren Versicherten steigt die Quote zwar an, doch selbst bei Menschen über 80 Jahren bleibt ein erheblicher Anteil ungeimpft.

Regionale Unterschiede bei der Impfquote

Auch regional gibt es deutliche Unterschiede. In einigen Bundesländern lag die Impfquote signifikant unter dem ohnehin niedrigen Bundesdurchschnitt. Besonders geringe Werte gab es mit 29,7 Prozent in Baden-Württemberg und mit rund 30 Prozent in Bayern. Auch im Saarland blieben viele ältere Menschen ohne Impfschutz. Dort lag der Anteil der Geimpften bei 37,8 Prozent. Die höchsten Quoten finden sich in mehreren ostdeutschen Bundesländern. In Sachsen- Anhalt waren 55,2 Prozent der Menschen ab 60 Jahren geimpft, in Brandenburg 52,3 Prozent. Doch blieb selbst in diesen Regionen die Hälfte der Menschen ohne Impfschutz.

Seit einigen Jahren dürfen auch Apotheken Impfungen anbieten. Die Idee dahinter war, zusätzliche niedrigschwellige Angebote zu schaffen, um auf diesem Weg mehr Menschen zu erreichen. Nach den aktuellen Daten spielt dieses Angebot bislang jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich ein sehr geringer Anteil der Impfungen findet tatsächlich in den Apotheken statt. Die meisten werden weiterhin in Arztpraxen durchgeführt. Zum Vergleich: Die erreichte Impfquote von 40,8 Prozent ist nur zu 0,5 Prozent durch Impfung in Apotheken und zu 99,5 Prozent durch Impfung in Arztpraxen erzielt worden. So attraktiv das Angebot der Grippeimpfung in der Apotheke für einzelne Versicherte sein mag, das Problem der dramatisch niedrigen Impfquoten löst es nicht. Die zentrale Rolle kommt somit nach wie vor den Hausärztinnen und Hausärzten zu. Sie gelten als wichtigste Ansprechpersonen für Fragen rund um Impfungen.

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