Die Vorschläge der GKV-Finanzkommission zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegen vor – und sie setzen die richtigen Signale. Zentrale Maßnnamen sind die Rückkehr zu einer einnahmeorientierten Ausgabenpolitik und die vollständige Kostenübernahme der Gesundheitskosten für Bürgergeldempfangende. Entscheidend wird nun sein, ob es gelingt, aus den 66 Vorschlägen ein tragfähiges Gesamtpaket zu schnüren, das die Beiträge nachhaltig stabilisiert und eine hochwertige und bezahlbare Versorgung garantiert.
Der Handlungsdruck bleibt hoch, denn ohne strukturelle Reformen werden weitere Beitragsanhebungen kaum zu vermeiden sein. Das Gesundheitswesen braucht aber auch strukturelle Reformen. Das gilt etwa für die psychotherapeutische Versorgung. Die Ersatzkassen haben entsprechende Vorschläge vorgelegt: Trotz deutlich gestiegener Kapazitäten und Ausgaben berichten Versicherte insbesondere bei schweren, komplexen oder dringlichen Erkrankungen über Probleme, einen Therapieplatz zu bekommen. Es braucht daher eine bessere Steuerung von Zugang und Ressourcen.
Dass Deutschland auch von anderen Ländern lernen kann, wenn es um eine effizientere Versorgung geht, zeigt der Gesundheitssoziologe Prof. Dr. Claus Wendt im Interview. Für den ambulanten Sektor seien eine Steuerung der Patient:innen durch die Hausarztpraxis und ein Setzen auf Delegation wichtige Hebel. Eine Chance eröffnet hier das geplante Primärversorgungssystem, für das Ministerin Warken kürzlich die Vorbereitungen begonnen hat. Wir sind gespannt auf den Gesetzentwurf, der bis zum Sommer vorgelegt werden soll.