Mehrwert: Pflege

Erfahrungen mit dem Corona-Sofortangebot

Der Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 im März dieses Jahres hat die Arbeitswelt in nahezu allen Branchen verändert. Gerade Beschäftigte im Gesundheitswesen sind wesentlich betroffen.

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Seit 2019 besteht das ersatzkassengemeinsame Angebot MEHRWERT:PFLEGE, bei dem Krankenhäuser und (teil-)stationäre Pflegeeinrichtungen individuell zum betrieblichen Gesundheitsmanagement beraten werden. Vor allem in dieser Branche wurden und werden die Beschäftigten während der Corona-Pandemie mit verschiedenen Herausforderungen im Arbeitsalltag konfrontiert, die sich nicht nur auf neue Hygiene- und Schutzvorkehrungen, wie das Tragen von Masken oder Schutzkleidung, beziehen. Es entstanden zuweilen in Pflegeeinrichtungen vollkommen neue Situationen, die es zu meistern galt. So mussten beispielweise die Fragen beantwortet werden, wie mit demenziell erkrankten Patienten in Quarantäne umzugehen ist oder wie neue Kontaktmöglichkeiten mit den Angehörigen geschaffen werden können. Zudem wurden viele Stellschrauben in der Arbeitsorganisation bewegt. In der ambulanten Pflege wurden zum Beispiel die Touren dahingehend umgeplant, dass die Anzahl an Kontakten möglichst gering gehalten wurde. Dies gelang dadurch, dass die Beschäftigten möglichst immer die gleichen Menschen in ihrer Häuslichkeit betreuen.

Im Rahmen von MEHRWERT:PFLEGE hat der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) mit seinem sogenannten Corona-Sofortangebot kostenfrei unbürokratisch und virtuell Unterstützung initiiert. Es wird seit Anfang April an Krankenhäuser, (teil-)stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste adressiert. Ziel ist es, die Beschäftigtengesundheit auch während einer Akutsituation nicht aus dem Auge zu verlieren. Es richtet sich sowohl an Führungskräfte als auch an Mitarbeitende. Die spezifischen Beratungsthemen werden bedarfsbezogen mit den Einrichtungen abgestimmt, sodass diese anlassbezogen Hilfestellungen erhalten.

Die Praxis hat gezeigt, dass das Sofortangebot von den Organisationen gut angenommen wird. Die Beratungsanlässe sind dabei sehr verschieden. Unter dem Titel „Den Prozess der Unsicherheit managen“ werden Führungskräfte beispielsweise zur gesundheitsgerechten Führung in Krisensituationen beraten. Die Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, die Mitarbeitenden zu motivieren, trotz steigender Corona-Zahlen ihre Arbeit zu erbringen außerhalb der Möglichkeiten von Homeoffice und ihnen zugleich die Angst vor Ansteckung zu nehmen – dies gelingt durch die Einhaltung von Hygienestandards, aber auch durch eine achtsame Kommunikationskultur. Es fällt den Beschäftigten zudem nicht immer leicht, lang bewährte Arbeitsabläufe an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Im Rahmen des Angebots werden die Führungskräfte dazu befähigt, auf ihre eigenen Erfahrungen und Ressourcen in Krisensituation zurückzugreifen und dies auf die Corona-Situation zu übertragen. So kann die Ruhe und Ausgeglichenheit im Führungsverhalten bewahrt und die Krisensituation gesteuert werden.

Die Beratungspraxis zeigt außerdem, dass unter den Beschäftigten Krankheitsängste ein relevantes Thema sind, einerseits vor der Ansteckung mit dem Coronavirus, andererseits vor einer möglichen Übertragung auf andere Personen. Im Rahmen des Angebots wird eine Möglichkeit geschaffen, mit der Arbeitsverdichtung bzw. eigenen Belastung umzugehen, die Ängste zu reduzieren und den Zusammenhalt im Team durch den gemeinsamen Austausch zu stärken. Die Erfahrungen des Corona-Sofortangebots verdeutlichen, dass es wichtig ist, neue Belastungssituationen anzusprechen und das Befinden der Beschäftigten im Blick zu halten.

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