Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

es hat wohl kaum jemanden überrascht, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in diesem Jahr „Corona“ zum Wort des Jahres gewählt hat. Hinzu kommen sieben weitere Wörter von insgesamt zehn auf der Liste, nämlich „Lockdown“, „Verschwörungserzählung“, „AHA“, „systemrelevant“, „Triage“, „Geisterspiele“ und „Bleiben Sie gesund“. Sie alle drücken aus, wie sehr uns die Corona-Pandemie in diesem Jahr beeinflusst hat, für das Gesundheitswesen gilt das ganz besonders.

Das Impfen steht aktuell im Blickpunkt: Impfstoffe als die großen Hoffnungsträger, dass sich unser Leben wieder normalisiert. Das, aber auch Impfskepsis und Gegnerschaft, gab es auch historisch schon so, wie ein Blick in die Impfgeschichte von Prof. Dr. Karl-Heinz Leven von der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt. Angefangen hat sie Ende des 18. Jahrhunderts mit der Impfung gegen Infektionskrankheiten (erstmals gegen Pocken), erste Impfungen gegen Grippeviren gab es erst in den 1940er Jahren. Mit Entdeckung des Corona-Virus stand wegen seiner enormen Infektionskraft schnell fest, „dass beispiellose Anstrengungen unternommen würden, um möglichst rasch einen Impfstoff zu entwickeln.“ „Nichts an dem Virus sei normal“, sagt auch Dr. Rolf Hömke vom vfa, und so begann unter den Pharma-Herstellern der Wettlauf gegen die Pandemie. Mit Erfolg: Erste Hersteller haben Erfolg versprechende Produkte entwickelt und eine Zulassung bei der EMA beantragt. STIKO-Chef Prof. Dr. Thomas Mertens erklärt im Interview, welche Rolle die Ständige Impfkommission bei dem Impfprozedere spielt.

Der Wettlauf gegen die Pandemie schlägt sich auch in der Gesetzgebung nieder. Die Politik hat in diesem Pandemiejahr einen Gesetzesmarathon ohnegleichen hingelegt. Vieles davon war reine Corona-Gesetzgebung, von den Infektionsschutzmaßnahmen über Teststrategien bis hin zu finanziellen Rettungsschirmen. Um die Wirtschaft und das Gesundheitswesen nicht zum Erliegen zu bringen, musste rasch gehandelt werden. Auch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steht vor finanziellen Herausforderungen. Die Reserven im Gesundheitsfonds und bei den Krankenkassen werden in 2021 weitestgehend aufgebraucht sein, sodass steigende Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen zu erwarten sind. Wo hier struktureller Reformbedarf besteht, kommentiert vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner in dem Einwurf.

Zu den oben genannten Wörtern des Jahres hätte wohl auch das Wort „Digitalisierung“ gepasst, denn selten war sie so wichtig zur Aufrechterhaltung der Kommunikation wie in dieser Pandemiezeit. Diesen Drive will Gesundheitsminister Jens Spahn nun auch im Rahmen eines dritten Digitalgesetzes mitnehmen. Mit dem Gesetz will die Politik telemedizinische Behandlungsformen weiter ausbauen und mehr Leistungserbringer an die Telematik-Infrastruktur anschließen. Außerdem sollen nach den Digitalen Gesundheitsanwendungen auch Pflege-Apps Einzug in die Versorgung halten. Es geht also voran mit der Nutzung digitaler Technologien.

Nun, liebe Leserinnen und Leser, bleibt mir nur noch, Ihnen schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen. Feiern Sie schön im kleinen Kreis und natürlich: „Bleiben Sie gesund!“

Ihre Michaela Gottfried

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