SARS-COV-2

Von der Epidemie zur Pandemie

Gegen Ende des vergangenen Jahres treten in der chinesischen Stadt Wuhan vermehrt schwere Lungenentzündungen auf, deren Erreger unbekannt ist. Im Januar 2020 wird er dann als ein neuartiges Coronavirus identifiziert. Zunächst breitet sich das Virus in China aus und erreicht nach und nach immer mehr Länder weltweit. Am 11. März 2020 stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verbreitung des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein. Ein Überblick.

Das neue Virus wird als SARS-CoV-2 benannt. Die Bezeichnung verweist auf die enge Verwandtschaft zum Erreger des Schweren Akuten Atemwegssyndroms, SARS-CoV-1, das 2002/2003 die SARS-Epidemie ausgelöst hat. Das Krankheitsbild, das durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 ausgelöst wird, wird als Covid-19 bezeichnet. Vor allem ältere Menschen und chronisch Erkrankte sind gefährdet, einen schweren Verlauf von Covid-19 zu erleiden. Deshalb ist es in allen Phasen der Pandemie-Eindämmung entscheidend, diese Bevölkerungsgruppen besonders zu schützen.

Die Übertragung erfolgt vor allem durch Tröpfcheninfektion. Wie bei anderen Grippe- oder Erkältungserregern werden die Viren aus den Atemwegen durch winzige Speichel-Tröpfchen übertragen, die beim Husten und Niesen, aber auch beim Sprechen entstehen. Deshalb ist im täglichen Leben Abstandhalten und regelmäßiges, gründliches Händewaschen ein wirksamer Infektionsschutz.

Infografik mit einschneidenden Daten zur Ausbreitung des Coronavirus von Dez. 2019 bis März 2020

Fast alle Menschen haben bereits Erfahrungen mit den bisher bekannten Coronaviren gesammelt. Ein beträchtlicher Teil unkomplizierter Erkältungen werden durch sie verursacht. Sie tragen kryptische Namen wie HCoV-OC43 oder HCoV-NL63 und sind häufige Erreger sogenannter Sommergrippen. Ob sich auch SARS-CoV-2 als fünfter saisonal wiederkehrender Coronavirus etablieren oder es in mehreren Wellen zu einer Infektion der gesamten Bevölkerung kommen wird, ist noch nicht absehbar.Nach anfänglichen Versuchen, die Berichterstattung über das neue Virus zu unterdrücken, haben die chinesischen Behörden Anfang Januar drastisch reagiert. Nahezu die gesamte Stadt Wuhan mit elf Millionen Einwohnern wurde abgeriegelt, außerdem weite Teile auch anderer Provinzen. Insgesamt waren zeitweise über 60 Millionen Menschen von strengen Quarantänemaßnahmen betroffen. Durch diese Maßnahmen scheint die Verbreitung von SARS-CoV-2 in China vorerst gestoppt. Mitte März konnten die chinesischen Behörden vermelden, dass dort erstmals seit Identifizierung keine „inländischen“ Neuinfektionen mit dem Virus mehr zu verzeichnen sind.

Zum gleichen Zeitpunkt breitet sich das Virus in Europa nahezu ungebremst aus. Während die ersten Fälle in Deutschland im Januar noch zu keinem größeren Ausbruch führen, kommt es einen Monat später zu einer rapiden Steigerung der Infektionen. Sie stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Karneval. So ist das Infektionscluster im Landkreis Heinsberg in Nordrhein- Westfalen auch zu Redaktionsschluss noch das größte innerhalb von Deutschland. Bereits seit Beginn der weltweiten Epidemie bzw. Pandemie veröffentlicht die WHO regelmäßig aktualisierte Erkrankungszahlen. Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass derzeit die Lage in anderen europäischen Ländern, allen voran Italien, ungleich dramatischer als in Deutschland ist. Auch in Bezug auf die Fallzahlen, aber insbesondere was die Todesfälle angeht. Die Sterblichkeit in Deutschland liegt bisher bei etwa einem Prozent, in Italien erreicht sie Werte von über zehn Prozent.

SARS-Coronavirus-2, Elektronenmikroskopie, Negativkontrastierung (PTA). Maßstab: 100 nm

Die Gruppe der Coronaviren ist nach ihrer elektronenmikroskopischen Darstellung benannt. Sie erinnert an den Strahlenkranz (Corona) der Sonne während einer Sonnenfinsternis.

Für diesen gravierenden Unterschied gibt es anscheinend mehrere Gründe. So ist davon auszugehen, dass SARSCoV- 2 vor allem in Norditalien seit Wochen unentdeckt kursiert, als die ersten schweren Verläufe und Todesfälle bekannt werden. Damit bestehen die registrierten Erkrankungen zum großen Teil in Italien länger als hierzulande. Zum anderen ist die Bevölkerung im Durchschnitt älter und damit anfälliger. Die größte Rolle dürfte aber die Zahl der durchgeführten Tests spielen. Während in Deutschland bereits frühzeitig Verdachtsfälle mit Symptomen von Covid-19 auf SARS-CoV-2 getestet wurden, ist die Testrate in Italien deutlich niedriger. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist deshalb die Sterblichkeit in Italien deutlich überschätzt, weil milde und symptomlose Verläufe in der Statistik fehlen.

Momentan existieren weder eine zielgerichtete Therapie noch ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Weltweit arbeiten Dutzende Forschungsgruppen an einem möglichen Impfstoff, sodass bereits im Frühsommer erste klinische Studien durchgeführt werden könnten. Eine zielgerichtete Therapie ist derzeit zwar noch nicht in Sicht, doch gibt es vielversprechende Ansätze, für andere Erkrankungen entwickelte Medikamente auch für Covid-19 nutzbar zu machen.

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