Vorstandskommentar

Die Corona-Pandemie  – das Leben mit dem Virus

Die Corona-Pandemie wird uns noch eine längere Zeit begleiten. Ob und wann es einen Impfstoff geben wird, ist noch offen. Nachdem es durch einen Shutdown gelungen ist, das Infektionsgeschehen einzudämmen, erleben wir jetzt in der Sommerzeit ein neues Aufflammen. Wie gehen wir weiter damit um?

Bislang ist Deutschland gut durch die Krise gekommen, allerdings war dies mit einem hohen Aufwand und Kosten verbunden. Massive Einschränkungen im öffentlichen Leben, milliardenschwere Konjunkturprogramme, um die Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen, diverse Rettungspakete für das Gesundheitswesen. Nach dem Shutdown wurde die Rückkehr zur „neuen“ Normalität eingeleitet, doch jetzt in der Sommer- und Reisezeit kommt es erneut zu besorgniserregenden „diffusen Ausbrüchen“ in Kneipen, Restaurants, kirchlichen Einrichtungen, Betrieben. Weil die Reisebeschränkungen weitgehend wieder aufgehoben sind, tragen auch Urlauber das Virus erneut ins Land.

Die Politik reagierte prompt und verordnete eine kostenlose Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Eine sicherlich sinnvolle Maßnahme, um das Geschehen besser zu kontrollieren. Doch die Umsetzung ist noch mit vielen Fragezeichen verbunden. Wie stellt man sicher, möglichst viele Einreisende zu erreichen? Muss die Testverpflichtung nicht auch auf Urlauber aus Nicht-Risikogebieten ausgeweitet werden? Auch die Testung an sich ist medizinisch nur eine Momentaufnahme, sie ist keine Garantie dafür, dass eine Infektion ausgeschlossen ist. Und natürlich stellt sich auch die Frage der Kostenübernahme. Die Kosten sollen laut Verordnung erneut aus dem Gesundheitsfonds der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden. Doch ist die präventive Testung im Sinne des Pandemieschutzes eigentlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte vom Staat finanziert werden. Hier braucht die GKV klarere Zusagen vom Staat, denn allein die Beitragszahler können diese Lasten nicht tragen.

An diesem Beispiel zeigt sich: Die Kontrolle des Infektionsgeschehens bleibt eine Mammutaufgabe für Politik und Gesellschaft. An der aber auch die Sozialsysteme mehr und mehr an ihre Grenzen stoßen. Die Finanzreserven der GKV sind weitgehend ausgeschöpft, der Staat hat sich deutlich verschuldet.

Einen zweiten kompletten Shutdown kann selbst Deutschland sich nicht leisten. Wir müssen also lernen, mit dem Virus zu leben. Jede(r) Einzelne ist gefragt, für sich und die Mitmenschen Verantwortung zu übernehmen.

Ulrike Elsner, vdek-Vorstandsvorsitzende

Dabei hilft es, sich nach der AHA-Formel der Bundesregierung zu richten: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Wir alle haben viel investiert, um Normalität zu erreichen. Auf diesem Erfolg sollte sich niemand ausruhen.

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