Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Corona und kein Ende. Die dritte Welle schwappt über Deutschland hinweg und wir bewegen uns von einem Lockdown zum nächsten – allerdings mit teilweise regionalen Öffnungsstrategien einzelner Bundesländer. Was ist die richtige Strategie? Auf jeden Fall sollen Tests, Impfungen und die Kontaktnachvollziehung helfen, wieder ein bisschen Normalität in unser Leben zu bringen. Selbsttests werden in Schulen und in den Betrieben ausgegeben und sind im Supermarkt erhältlich, das Impfen schreitet voran, auch Hausund Betriebsärzte dürfen jetzt impfen. Bei der Diskussion um mögliche Nebenwirkungen von Vakzinen wurde jedoch deutlich, dass Impfstoff nicht gleich Impfstoff ist. Die Expert*innen vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) haben Fragen und Antworten rund um die Funktionsweise von Impfstoffen zusammengestellt.

Für die Kontaktnachvollziehung ist in erster Linie der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) zuständig. Während er in der öffentlichen Wahrnehmung vor der Corona-Zeit eher ein Schattendasein führte, hat er jetzt eine deutliche Aufwertung erfahren, sagt Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e. V. (BVÖGD), im Interview mit ersatzkasse magazin. Um die Arbeit des ÖGD wirkungsvoller zu machen, sieht Teichert zwei Stellschrauben. Wegkommen von der kurzfristigen Personalpolitik und die Beschleunigung der digitalen Prozesse bei den Befunden, der Kontaktnachverfolgung und der Zusammenarbeit der Ämter untereinander.

Doch wie Dr. Teichert warnt auch Prof. Gernot Marx, neuer Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), davor, bei all den Herausforderungen durch die Corona-Pandemie nicht die anderen Aufgaben bzw. andere schwerkranke Patient*innen zu vergessen. Wichtige Aufgabe in der Intensivmedizin sei nach wie vor die Neustrukturierung der Notfallmedizin, die Weiterentwicklung der Telemedizin in der Intensivmedizin und die Weiterentwicklung von Qualitätsindikatoren.

Das „Nicht vergessen werden“ ist gerade für Patient*innen, die an sogenannten seltenen Erkrankungen leiden, ganz wichtig. Oftmals fällt schon die Diagnose dieser Krankheiten extrem schwer – und ohne Diagnose ist keine zielgerichtete Behandlung möglich. Die Ersatzkassen haben jetzt einen Versorgungsvertrag mit der Charité Berlin sowie den Unikliniken Bonn und Tübingen geschlossen, mit dem eine interdisziplinäre Diagnosestellung ermöglicht werden soll.

Aufgrund der Bundestagswahl im September geraten einige wichtige Themen jedoch ins Hintertreffen. Dazu gehört die Reform der Krankenhausstrukturen inklusive der Weiterentwicklung der Fallpauschalenvergütung im Rahmen der DRG. Die Pandemie hat mehr als deutlich gezeigt, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Gefordert sind Bund und Länder gemeinsam! In der Zusammenarbeit – das zeigen die zahlreichen Ministerpräsidentenkonferenzen zum Thema Corona-Management – gibt es aber auf jeden Fall noch Optimierungsbedarf, meint

Ihre Michaela Gottfried

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