TK-Report zur Arzneimittelversorgung

Versorgung mit Arzneimitteln ist stabil

Wenn Patientinnen und Patienten ein bestimmtes Medikament benötigen, müssen sie sich darauf verlassen können, dieses zu erhalten. Das ist ein Grundpfeiler unserer medizinischen Versorgung. Als im Winter 2022/2023 die Atemwegsinfektionen stark anstiegen und einige Medikamente nicht ausreichend verfügbar waren, beschloss die Bundesregierung mit dem ALBVVG verschiedene Maßnahmen für eine resilientere Arzneimittelversorgung. Doch helfen diese gesetzlichen Maßnahmen tatsächlich? Wird der vorgeschriebene Mindestvorrat eingehalten? Die TK hat sich selbst einen Überblick verschafft und im vergangenen Jahr die Lagerbestände von insgesamt sechs verschiedenen Rabattpartnern geprüft.

Illustration zur Arzneimittelversorgung

Prüfung bestätigt gute Versorgungslage

Die Ergebnisse sind größtenteils erfreulich: Die Versorgung mit Arzneimitteln in Deutschland ist stabil – Antibiotika sind deutlich besser verfügbar als noch vor Inkrafttreten des ALBVVG, und die Vorratspflichten der Hersteller werden überwiegend erfüllt. Die Prüfung ergab, dass der gesetzlich vorgeschriebene Mindestvorrat bereits zu etwa 80 Prozent eingehalten wurde. Das bedeutet aber nicht, dass für die anderen 20 Prozent Lieferschwierigkeiten bestehen. Eine pauschale Vorratspflicht ist schlichtweg nicht für alle Arzneimittel das beste Instrument. Daher haben die Arzneimittel-Fachleute der TK Vorschläge ausgearbeitet, wie die Regelung noch zielführender gestaltet werden kann. Insgesamt ist die Qualität der Lagerhaltung sehr hoch. Gerade was den Informationsfluss und damit die Planungssicherheit betrifft, zeigen sich zwischen den einzelnen Rabattpartnern jedoch teilweise große Unterschiede. Das verdeutlicht, wie wichtig eine Datentransparenz zwischen den Arzneimittelbehörden, Herstellern und Krankenkassen ist.

99,7 Prozent der Arzneimittel direkt verfügbar

Neben dem Bericht zur Lagerbesichtigung enthält der Lieferklima-Report auch Interviews mit verschiedenen Arzneimittel-Fachleuten und eine zusammenfassende Bewertung des ALBVVG. Dieses hat merklich dazu beigetragen, dass die Generika-Versorgung bereits sehr gut funktioniert. Ist von Lieferengpässen die Rede, darf man die Relation nicht aus dem Auge verlieren: Immerhin 98,9 Prozent der Produkte sind hierzulande sofort lieferfähig. Für weitere 0,8 Prozent ist ein direkter Austausch, zum Beispiel durch 
Wechsel auf einen anderen Hersteller, möglich. Das bedeutet: 99,7 Prozent aller Arzneimittel sind direkt verfügbar. 

TK fordert Lieferverträge für Kinderarzneimittel

Um die bereits resiliente Generika-Versorgung noch weiter zu verbessern, macht die TK im Lieferklima-Report fünf konkrete Vorschläge. Unter anderem betreffen diese die Ausschreibung besonders relevanter Wirkstoffe in einem regionalen Mehrpartner-Modell und die Überarbeitung des Rabattverbots für Kinderarzneimittel. Denn auch wenn die Versorgung der Erwachsenen auf einem soliden Fundament steht, so gibt es doch bei den Kinderarzneimitteln noch Nachbesserungsbedarf. Für sie dürfen seit dem ALBVVG keine Liefervereinbarungen mehr getroffen werden. Damit fehlen wichtige Sicherheitsreserven. Die TK fordert deshalb: Auch Kinder sollen künftig von stabilen Lieferketten und gesicherten Vorräten profitieren. Mit einem regionalen Mehrpartnermodell als Liefervertrag ließe sich auch die Kinder-Arzneimittelversorgung für zukünftige Herausforderungen wappnen.

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