GKV-Finanz- und Marktsituation

Morbi-RSA zeigt erste Wirkungen

Das Jahr 2020 ist wegen der Corona-Pandemie für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ein hartes Jahr gewesen. Die Finanzierungslücke wurde unter anderem durch die Erhöhung von Zusatzbeitragssätzen geschlossen. Doch der Finanzdruck setzt sich 2021 fort. „Die Vermögen der Kassen werden im Laufe des Jahres weitestgehend aufgebraucht sein. Wenn nichts geschieht, besteht das Risiko, dass sich die Zusatzbeitragssätze für 2022 nahezu verdoppeln – aus heutiger Sicht auf rund 2,5 Prozentpunkte“, erklärte Uwe Klemens, ehrenamtlicher Vorsitzender des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) auf der vdek-Neujahrs-Pressekonferenz Ende Januar 2021. Daher müsse die Politik nach der Bundestagswahl die Beitragssätze stabilisieren.

Im vergangenen Jahr ergab sich in der GKV eine Finanzierungslücke in Höhe von 16 Milliarden Euro. Diese Finanzlücke hatte sich aufgebaut durch vier zum Teil gegenläufige Effekte, die aus 2020 fortwirken:

  1. Pandemiebedingte Mehrausgaben für Schutzausrüstungen, Intensivbetten, Coronatests und Finanzunterstützung für Leistungserbringer
  2. Minderausgaben durch coronabedingt verschobene und ausgefallende Behandlungen
  3. Mindereinnahmen infolge von coronabedingter Kurzarbeit und Rückgang der Beschäftigung
  4. Mehrausgaben durch kostenintensive Gesundheitsgesetze (für mehr Arzttermine und Personal in den Krankenhäusern sowie eine bessere Vergütung für Heilmittelerbringer)

Anhebungen der kassenindividuellen Zusatzbeitragssätze bewegen sich in moderatem Rahmen

Grafik: Entwicklung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags (ZBS)

Um die Finanzlücke zu schließen, gab es zum 1. Januar 2021 eine moderate Anhebung der kassenindividuellen Zusatzbeitragssätze. 40 der insgesamt 102 Krankenkassen hoben ihren Zusatzbeitragssatz an. Von der Erhöhung betroffen sind 37,7 Millionen Mitglieder. Der Höhe nach bewegen sich die Anhebungen in einem moderaten Rahmen von 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte. Nur durch diese notwendig gewordene moderate Erhöhung der Zusatzbeiträge im Zusammenspiel mit einem einmaligen Steuerzuschuss sowie durch den Abbau von Rücklagen in Höhe von acht Milliarden Euro ist es gelungen, die Finanzierungslücke von 16 Milliarden Euro zu schließen.

GKV-Beitragssätze zwischen 2009 und 2021

Positiv wertete Klemens, dass sich die Beitragssatzspanne zwischen den Krankenkassen aktuell gegenüber den Vorjahren angenähert hat, da die Zusatzbeitragssätze unterschiedlich stark erhöht wurden. Grund dafür ist die von dem vdek und seinen Ersatzkassen lange geforderte Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA), unter anderem mit der Einführung einer Regionalkomponente und eines Risikopools. Dies sei ein Hinweis darauf, dass die Reform des Finanzausgleichs schon jetzt Wirkung zeige und für fairere Wettbewerbsbedingungen sorge, so Klemens.

Die Morbi-RSA-Reform wurde zum 1. Januar 2021 wirksam. Die Ersatzkassen erwarten, dass die neuen Kriterien bei der Finanzzuweisung ihre bisherigen Nachteile, und auch die der Betriebs- und Innungskrankenkassen, zu einem merklichen Teil ausgleichen. Nach Schätzungen des vdek werden die Ersatzkassen rund 500 Millionen Euro pro Jahr mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds für die Versorgung ihrer Versicherten erhalten. Klemens forderte, dass weitere Reformelemente wie ein passgenauerer Ausgleich für Kinderkrankengeld und Auslandsversicherte noch vor der Bundestagswahl verabschiedet werden.

Grafik: Verteilung der Versicherten auf die Kassenarten

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